Didis Bücherturm

Dienstag, 29. August 2017

Roman abgeliefert!



Endlich, mit mehr als einem halben Jahr Verspätung, habe ich das Manuskript eines Kriminalromans an einen Verlag geliefert, eines Romans, der Ende des 19. Jahrhunderts in Augsburg spielt. Ich habe viel recherchiert, besonders die Details: Wie hat man damals in Augsburg gelebt, wie sah es in der Stadt aus, mit welchem Geld hat man bezahlt, welches Bier hat man getrunken und zu welchem Preis, wie war die Polizei organisiert, wie sah es in der Umgebung aus, wie ging es auf dem Lande zu?
Natürlich habe ich vor dem Schreibbeginn eine Grundrecherche gemacht, aber beim der konkreten Arbeit brauchte ich natürlich Details: Fuhr zu meiner gewählten Zeit am Perlachberg noch die Pferdebahn oder schon die Elektrische? Und wenn keine von beiden – warum nicht? Gab es schon Touristen in Augsburg? Warum dann meistens Briten? Wo waren die Kasernen, wie hießen die Regimenter, wo haben die Soldaten ihre Freizeit und ihren Sold versoffen? Fast bis zur letzten Seite habe ich noch Details geprüft. Ich habe zum Beispiel nachgeschaut, wie die Keltenschanzen in den Wäldern aussehen, warum die Kirchen in den Dörfern ihren jeweiligen Namen tragen, wann welche Eisenbahnstrecke gebaut wurde, wie die Augsburger über die Eingliederung ihrer Heimat ins deutsche Reich dachten und, und, und. Manches Ergebnis habe ich dann gar nicht im Roman verwendet, weil ich die Geschichte nicht mit „Wissen“ überfrachten wollte.
Ein großer Teil der Geschichte spielt in der Augsburger Altstadt
 Die meisten Autoren beschweren sich darüber, wie anstrengend die Recherche für einen Roman sei. Ich halte das für Großtuerei und Lobfischen. Für mich ist dieses Recherchieren der spannendste, abenteuerlichste und vor allem der lehrreichste Teil der Arbeit, und manchmal habe ich mich im Internet regelrecht verfranst – was mir in der Realität nicht passiert ist, auch wenn ich mir vor Ort die Bauweise der Keltenschanzen oder die Atmosphäre hundert Jahre aller Biergärten angeschaut habe. Besonderen Spaß hat mir das Überprüfen der Namen gemacht, den ich wollte ja keine real existierende oder verstorbene Person benennen. Dabei hat Augsburg interessante Nachnamen, die aus alter Zeit stammen: Fugger und Welser, Mozart und Brecht kann man in so einem Roman allerdings nicht verwenden, es sei denn, es geht gerade um diese Personen, aber wie wäre es mit Halbleib, Habenicht, Langenmantel, Großkopf, Hackepeter?
Ich glaube, ich habe ein spannendes Buch zusammengestellt, und das in einer Zeit, in der es privat drunter und drüber ging (siehe vorigen Beitrag weiter unten).
Mein Buch wird hoffentlich bald erscheinen. Ich plane Lesereise – eine hier in Bayern/Schwaben, eine zweite im Westfälischen und im Ruhrgebiet. Vielleicht treffen wir uns ja mal bei einer Lesung? Ich werde alle Termine in diesem Blog ankündigen.

Zum Schluss noch ein Hinweis aus meiner „Linkwundertüte“ (Nr. 3/100): Wenn Ihr Krimis lest oder welche im Fernsehen anschaut, dann ist Euch sicher schon aufgefallen, dass häufig gleich ein „Gerichtsmediziner“ oder gar ein „Pathologe“ am Tatort auftaucht und durch voreilige Schlüsse dem Ermittler ins Handwerk pfuscht.  Das ist fern jeder Realität. Was es mit den Gerichtsmedizinern auf sich hat, was sie wirklich tun und wann sie hinzugezogen werden, das hat Rosemarie Benke-Bursian akribisch und ausführlich recherchiert.


Montag, 28. August 2017

Fertig!

Lange habe ich an meinem neuen Roman geschrieben - ein halbes Jahr länger als geplant. Ich habe nicht nur mehr recherchiert als sonst, um die richtige Atmosphäre zu treffen, war viel unterwegs, habe viel gelesen, viel im Internet überprüft.Ich habe versucht, in die Zeit um 1890/1900 einzutauchen, und es hat mich viel Nerven gekostet, immer und immer wieder unterbrochen zu werden. (Dass ich immer noch nicht mit voller Konzentration arbeite, zeigt dieser Beitrag, der im Folgenden ins Private abschweift - über meine Arbeit schreibe ich im nächsen Beitrag, den ihr weiter oben findet.)

Alte Keltenschanze bei Horgau, ein Schauplatz meines Romans




Privates
Normalerweise ist es nicht meine Art, hier Persönliches darzustellen, aber ich möchte meinen Lesern schon mitteilen, wieso es seit drei Jahren kein neues Buch von mir gibt. Es sind  eine Menge unvorhergesehender Dinge passiert - zum Beispiel die Trennung von meiner Frau, die mit unserem Kind und ein paar wenigen Sachen ausgezogen ist. Nun, es ist schade, dass diese Beziehung auseinander gegangen ist, aber wenn sie glaubt, uns allein finanziert zu haben, irrt sie. Ich habe mich nicht nur überwiegend um die Kleine gekümmert, ich habe ihr auch viel beigestanden bei einem Buchführungskurs, bei dem sie ständig Verständnisfragen hatte, ich habe die Hausaufgaben korrigiert, gescannt oder in pdf verwandelt und versandt, habe allen Behördenkram erledigt, einschließlich Steuererklärung (obwohl sie nach dem Buchführungslehrgang besser dafür qualifiziert gewesen wäre), dazu gings dann um Bewerbungen, Besuche auf Jobmessen (immer mit dem sprachlichen Argument, denn sie ist - oder war! - Ausländerin, hat aber jetzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Natürlich nicht ohne Zeitaufwand meinerseits). Fast täglich kochen, einkaufen, Wege zum Kindergarten. Dortige Termine habe ihnehin immer ich wahrgenommen, genau wie die zeitaufwändigen Fahrten zum Kinderarzt. Führerschein. Autokauf mit Besuchen in mehreren Autohäusern. Kreditanträge. Und dann die ewigen Streitereien darum, dass ich meine Romane nicht fertig bekam (die Carl-Zeiss-Biografie ging völlig den Bach runter, ebenso mehrere andere Terminaufträge). Hin und wieder habe ich mich in die Stadtbücherei geflüchtet, um da zu arbeiten, aber mein Laptop pfeift mittlerweile auf den letzten Löchern. Nichts bekam ich mehr pünktlich hin.
Housesitting und Arbeit lassen sich gut kombinieren
 Arbeit
Jetzt geht es aufwärts. Ich habe zeitweise unsere Tochter bei mir (und zwar gern - sie ist mein großes Glück im Leben). Es ist aber wie eine Befreiung, dass ist jetzt manchmal mehrere Stunden an einem Stück arbeiten kann, ohne jederzeit mit Unterbrechungen rechnen zu müssen (oft kamen die alle zehn Minuten oder häufiger, so dass ich die Zeiten, in denen meine Frau arbeiten war, mit einem Wust von häuslichen Aufgaben und überflüssigen Korrespondenzen wie dem Umtausch von Fehlkäufen, aber vor allem mit Korrekturen der gestern "verbrochenen" Manuskriptseiten verplempern musste, statt Neues zu schreiben). Jetzt habe ich zum ersten Mal wieder einen Roman abgeliefert, habe wieder die Möglichkeit, zu lesen oder Freunde zu treffen, habe wieder "input", der ja fürs Schreiben unerlässlich ist. Meine Tage sind im positiven Sinne "ausgefüllt". Ich habe zwar aufgrund der Trennung auch wieder eine Menge Papierkram (dessen Ende absehbar ist), komme aber mehr zum Schreiben als bisher, da ich meine kreativen Momente genau dafür verwenden kann.   
Neue Pläne machen
 Pläne
Ich habe noch drei Romanaufträge zu bearbeiten, verwende danach dann mein unfertiges Zeiss-Manuskript, um daraus noch etwas zu machen, und es  kommen wieder jede Menge Ideen. Ich habe noch einen Korrekturauftrag, den ich nebenher machen kann, aber zu meiner Absicherung übernehme ich Arbeit an Messeständen (habe ich früher oft gemacht), aber auch Housesitting und Korrektorate. Das lässt sich alles gut miteinander verbinden. Wer meine günstigen Preise für Korrekturen erfahren will, sollte sich mal einen älteren Beitrag  in diesem Blog anschauen.



 

Montag, 1. Mai 2017

Die Schreibblockade



Eine bequeme Form des Zeitvertreibs 
Nein, dies ist kein weiterer Ratschlag, was man tun kann, wenn man vor einer leeren Datei sitzt und nicht weiß, was man hineinschreiben könnte. Oder was man macht, wenn man mitten in einem Roman steckenbleibt. Solche Ratschläge gibt es zu Tausenden – im Internet, als eBook, sogar als gedrucktes Buch. Auf die meisten Ratschläge könnte man mit ein bisschen Denken von selbst kommen – ein anderes Projekt überarbeiten, bei Twitter oder Pinterest vorbeischauen, einen Kaffee machen, mit dem Kind spielen usw. Wenn ich schreiben muss, um Geld zu verdienen, und das ist nun mal so, habe ich immer mehrere zugleich in Arbeit. Geht’s bei einem Projekt nicht weiter, schreibe ich an meinem anderen oder einem dritten. Oder ich setze mich mit einem Schreibblock in den nächsten Biergarten oder wintertags ins Krankenhauscafé und mache Brainstorming und neue Pläne.
Der Putz der Friedhofsmauer - wie eine Fantasy-Landkarte

Gestern bin ich ohne lange zu fackeln zu einem Spaziergang aufgebrochen (habe eine Regenpause dazu benutzt). Zuerst auf den Friedhof, wo nicht nur ein paarhundert Menschen, sondern Tausende von geplanten und nicht zu Ende geführten Projekten begraben liegen. Das ermuntert, das lässt eigene Projekte drängen. Am liebsten wäre ich dann gleich wieder am Schreibtisch.
Kaulquappen im Teich hinterm Bahndamm

Ich zwinge mich dann dazu, meinen Spaziergang etwas auszudehnen. Die Umgebung, in der ich wohne, ist eine Mischung aus billigen, aber völlig trostlosen Wohngebieten und Gewerbeflächen mit Kleinbetrieben. Ist das die Gegend, in der ich für immer wohnen bleiben möchte? Sicher nicht. Ab nach Hause, ab an den Schreibtisch!
Eselwiese mit Gasometer

Ich nehme den „angenehmen“ Weg nach Hause, parallel zur Bahnstrecke, wo sich Froschteiche, Gärtnereien, eine Eselwiese und ein Biergarten im Bannkreis eines riesigen Gasometers aneinander reihen. Bleibe hier und da stehen. Die aneinander gereihten Gedanken und Ideen verdichten sich. Während der PC noch hochläuft, formuliert sich im Kopf schon der nächste Satz.
Hirblinger Hof (rechts) mit Gasometer









Die Linkwundertüte, 2/100
Kann man mit Schreibblogs Geld verdienen? Ja, man kann, aber vorher ist Einiges zu tun. Über VG WORT und Zählmarken berichtet dieser Blogbeitrag des Literaturcafés: http://www.literaturcafe.de/vg-wort-texte-im-netz/

Samstag, 25. März 2017

Die Leiden des Korrektors



Wie ihr wisst, biete ich auch Korrektur- und Lektoratsarbeiten an. Nun fragte mich vor einiger Zeit ein Kollege, ob ich seine Erzählungen zu einem Sammelband zusammenstellen könnte. Ich kann hier keinen Namen nennen, das Problem ist auch nicht nur speziell seins, sondern tritt sehr häufig auf, daher sind die folgenden Ausführungen nur ein Beispiel für allgemeine Schwierigkeiten bei dieser Arbeit, aber keineswegs übertrieben. Ich schreibe das hier nicht, um mich zu beklagen, sondern um Euch zu sagen, wie es lieber nicht laufen soll.
Foto: Danke an pixabay

Nun ja, in diesem Fall war es so: Ich kannte einen Teil der Texte, und dass es siebenhundert Seiten werden könnten, fand ich nicht weiter schlimm. Ich könnte, dachte ich, alle die einzelnen Dateien in eine große Hauptdatei kopieren, markieren, gemeinsam formatieren: Schrift, Seitenränder, Absätze, Überschriften. Dann meine Korrekturen anbringen. Ich sagte zu, schätzte meine Zeit, machte einen Freundschaftspreis aus. Dann bekam ich die Dateien zugesandt. Rund 120 einzelne Manuskripte.

Und dann kam der Text …
Teils als Word-Datei, teils eingescannt. Eingescannt! Eine Katastrophe, besonders, wenn ein Text teilweise oder ganz aus jpg-Dateien (also Bildern) besteht. Dann muss ich diese ausdrucken und neu als OCR-Datei in Text verwandeln, und wenn das nicht geht, per Hand abschreiben.
Zwar gibt es inzwischen ganz gute OCR-Software, aber in diesem Fall half mir das nichts. Einige Texte waren aus bereits existierenden Veröffentlichungen, also schon gesetzt, andere waren in verschiedenen Copyshops mit unterschiedlicher Software eingescannt. Die Manuskripte hatten unterschiedliche Schriften und Randbreiten, waren in unterschiedlichen Word-Versionen, hatten Seitenzahlen oben mittig, unten rechts, oben links oder rechts, Kopf- und Fußzeilen, waren hartnäckig kopiergeschützt oder hatten Rahmen, die sich nicht löschen ließen, sondern sich bei dem bloßen Versuch auch in die anderen Texte ausbreiteten.
Anführungszeichen – erst unten, dann oben, beide oben, schräg, gerade, gebogen, französische Zeichen, Schweizer Variante und was sonst noch alles möglich ist, manchmal unterschiedlich in einem Satz.
Adressenstempel am Rand, oft sogar schräg – das gibt abenteuerliche grafische Effekte, mitunter reif für die moderne Kunstgalerie. Ha, und erst die autoreigenen Korrekturen – getippext oder einfach gleich mit Schreibmaschine überschrieben, handschriftlich über das Wort (winzig), an den Rand (nur zur Hälfte mit eingescannt) oder nochmal durchgestrichen und mit Sternchen versehen, dass dann nirgendwo hinführt. Oft habe ich solche Texte mehr geraten als korrigiert, und einmal kam dabei ein vollkommen neue Geschichte heraus.
Insgesamt eine Heidenarbeit, und mehrmals stand ich kurz davor, einfach aufzugeben und unter entsprechendem Protest zurückzusenden. Aber es war nun mal ein Freundschaftsdienst, ein verhältnismäßig kleiner Dank dafür, dass der betreffende Kollege mir in der Vergangenheit schon mehrfach aus der Patsche geholfen hat. Natürlich habe ich ein Honorar dafür bekommen, aber es stand in keinem Verhältnis zum Zeitaufwand: Da sich entgegen meiner ursprünglichen Annahme die Texte nicht einfach in eine große Datei kopieren und zusammen formatieren ließen, hatte ich jede Menge Detailarbeit. Jede einzelne neu in die Hauptdatei kopierte Geschichte vernichtete oder veränderte die bisherige Formatierung, nichts blieb wie es war. Der Autor ist Meister der Pünktchen-Auslassung: Drei Pünktchen direkt am Wort, ohne Leertaste, oder mit Leertaste nur davor statt dahinter, Leertasten zwischen den einzelnen Pünktchen, mal mit einem Komma dazwischen, dann nur zwei oder aber vier Pünktchen …
Mit der nötigen Vereinheitlichung, dem Entfernen von Trennstrichen und der Verortung von wörtlicher Rede im „zuständigen“ Absatz habe ich deutlich mehr als 12.000 Einzelkorrekturen durchgeführt.

Nie, nie wieder?
Vielleicht doch. Ich habe eine Menge übers Formatieren gelernt, habe Verständnis dafür gefunden, dass ein Verlag ein Manuskript nahezu ungelesen zurückschickt (oder in den Papierkorb steckt), habe wieder einmal deutlich mitbekommen, dass ein Manuskript mehrfach gelesen werden muss – vom Autor, von einem Freund, vom Korrektor, vom Lektor – selbst wenn deutlich weniger darin steckt. Mein Fazit ist nur, einen Text erst weitgehend zu lesen, bevor man ein Preisangebot macht, oder sich nach Stunden bezahlen lassen. Doch das ist unter Freunden natürlich manchmal schwierig.

Interner LINK zum Thema in diesem Blog
 
Neu: 100 mal die „Linkwundertüte“!
meine Linktipps stehen in der Regel nicht im Zusammenhang mit dem darüberstehenden Beitrag, sondern sind ein kleiner Sonderservice für Schreibende – die Technik des Schreibens betreffend, Recherche, interessante Berichte in Magazinen und anderen Blogs usw. – immer eine kleine Überraschung!).
Heute:
Linkwundertüte - Tipp 1/100
Zum Thema „Digitaler Nachlass“ - ein interessanter Beitrag aus der „Selfpublisherbibel“.


Mittwoch, 8. März 2017

Dieseltinte

Für mich ist heute ein wahrer "Tintentag": Am morgen schrieb ich für meinen historischen, in Augsburg spielenden Kriminalroman eine Szene, in der ein Polizeiwachtmeister beim Schreiben einer Aktennotiz erschrickt, zu fest auf seine Feder drückt und damit einen hässlichen Tintenfleck auf dem Papier erzeugt - er kann sich also den wichtigen Zeugen, die gerade zu dritt in die Wachstube platzen, nicht sofort widmen, sondern muss erst einmal zur Löschwiege greifen, um mit dem eingespannten saugfähigen Papier den Schaden so gering wie möglich zu halten. Was dann passiert, kann ich hier noch nicht verraten...

Natürlich hat der Polizist nicht meinen Lieblingsfüller benutzt, sondern einen klassischen Federhalter seiner Zeit.
Wenig später finde ich im Architektur- und Design-Magazin "Dezeen" einen kleinen Bericht darüber, dass ein indisches Team eine Methode gefunden hat, die Ruß-Partikel aus Dieselmotoren so aufzufangen, dass sie nicht in Luft und Lunge verschwinden, sondern zu Tinte verarbeitet werden können. Phantastisch! Lest mal den Artikel HIER!
Womit wir über die Abgase zum Diesel kommen und wieder bei meinen Büchern landen: Ich hatte vor ein paar Jahren einen biografischen Roman über Rudolf Diesel (LINK) geschrieben, und nun bereite ich gerade einen weiteren Titel über den großen Ingenieur vor, in dem es um den inneren Konflikt eines Erfinders geht, der mit seinem Werk den Frieden sichern will, aber erkennen muss, dass er den bevorstehenden Weltkrieg verschlimmern oder überhaupt erst ermöglichen wird. In Vorbereitung!
 

Montag, 20. Februar 2017

Schriftsteller mit Praktikant(in)?



Praktikanten
Habt Ihr gewusst, dass Schriftsteller, wenn sie hauptberuflich arbeiten, einen Praktikanten (oder eine Praktikantin) beschäftigen dürfen? Es kann entweder ein Schüler (oder Schülerin – die weibliche Form ist im folgenden Text immer eingeschlossen) sein, der ein Berufsfindungspraktikum machen möchte, oder ein Arbeitsloser, der vom Jobcenter in eine „Maßnahme“ gesteckt wurde, um zum hundertsten Mal zu lernen, wie man einen Lebenslauf oder eine Bewerbung schreibt.
Auch als Schritsteller kann man sich um Praktikanten kümmern

Die Kosten und Formalitäten
Man muss keine „Geschäftsräume“ haben, sondern bei Freiberuflern genügt das häusliche Arbeitszimmer. Der Praktikant darf kein Geld bezahlt bekommen, auch nicht als Dankesprämie am Ende. Ist er arbeitslos, bezahlt ihn das Jobcenter ja ohnehin weiter. Sowohl Schüler als auch sonstige Praktikanten sind versichert, wenn ein offizieller Vertrag besteht.
Es gibt natürlich einige weitere Formalitäten zu beachten. Das ist örtlich verschieden Man muss vor Allem wissen, was man selbst möchte und was der Praktikant erwartet. Wenn es gut läuft, melden sich die nächsten Praktikanten von selbst. Man muss aber nicht jeden nehmen, sondern kann sich in einem Vorgespräch darüber informieren, ob der/die Betreffende wirklich interessiert und geeignet ist.

Wie findet man Praktikanten?
Zunächst einmal muss man bekannt machen, dass man bereit ist, einen Praktikanten bei sich aufzunehmen. Für uns Schriftsteller genügt da ein Pressehinweis, eine Erwähnung in einem Interview oder einem kleinen Bericht der örtlichen Tageszeitung. Es melden sich dann sicher gleich mehrere Leute, die interessiert sind. Wenn nicht, kann man der Schulverwaltung, der Arbeitslosenverwaltung oder einer der Firmen, die Kurse für Langzeitarbeitslose durchführen, einen Hinweis senden. Man bekommt dann ein Schreiben mit dem Hinweis, was ein Praktikant alles machen darf und was nicht. Man darf ihn zum Beispiel keine Arbeit machen lassen, die zum üblichen Geschäftsbetrieb gehört und die einem die zu bezahlende Dienstleistung eines anderen erspart. Das ist sehr schwammig und betrifft im Grunde alles, aber es gibt da fließende Grenzen. Der Praktikant muss natürlich auch seine Erfahrungen sammeln können.

Die eigene Erfahrung
Mein Praktikant war schon fast fünfzig und interessierte sich für den Schriftstellerberuf, und hatte schon Vorstellungen davon, dass es mit dem Schreiben am Computer nicht getan ist. Ich informierte ihn darüber, wie sehr unsere Arbeit ein Kommunikationsberuf ist: Lesen, lesen, lesen, ab und zu Fernsehen, ab und zu ins Kino. Aktuell informiert sein, selbst wenn man historische Schinken oder seine eigenen Memoiren schreibt. Mit Menschen reden – in der Straßenbahn, in der Kneipe, wo auch immer. Am Kulturleben der Stadt teilnehmen. Spezielle Recherchen zum jeweiligen Buchthema in Bibliothek oder Internet. Nur so bekommt man den „Input“, die Tankfüllung, mit der der Motor der Fantasie überhaupt funktioniert.
Mein Praktikant hatte natürlich auch Wissensdurst. Muss man das, was man als Honorar erhält, versteuern? Natürlich, und die Buchhaltung gehört dazu. Kann man das Geld für Lesungen einfach einstecken oder versteuert man es auch? Natürlich muss man das, und man muss es in die Honorarvorstellung einrechnen. Ich zeigte ihm auch, wie sich Lesehonorare zusammensetzen (Hier im Blog in einem älteren Beitrag).
Was noch? Zum Beispiel, wie man überlebt, wenn man grade kein neues Buch am Start hat. Dann werden Titel als eBook recycelt. Wie macht man eBooks und wo verkauft man sie? Das waren für meinen Praktikanten wichtige Einblicke.
Die Themen Buchführung und Blogmarketing waren weitere Punkte unserer Zusammenarbeit.

Als Praktikant will man Neues erfahren
Zeugnis
Normalerweise geben Arbeitgeber nach vierzehn Tage Beschäftigung noch kein Arbeitszeugnis. Für Praktikanten ist das aber notwendig. Sie müssen gegenüber Schule oder Arbeitsbehörden nachweisen, dass sie das Praktikum tatsächlich gemacht haben, und gegenüber späteren Arbeitgebern haben sie besondere Erfahrungen, die sie nachweisen können. Für mich ist so ein Zeugnis auch Werbung. Zeigt er/se es anderen, habe ich bald neue Praktikanten, denen ich Erfahrungen vermitteln kann und die mir mit ihren Fragen neue Anregungen geben. Mein Praktikant bekam dieses Zeugnis:
Herr XXXXX, geboren am XX.X.XXXX, hat vom YY.Y.2016 bis zum YZ.Y.2016 eine "berufsfachliche Kenntnisvermittlung/betriebliche Erprobung" absolviert. Zu seinen Aufgaben gehörte das Vorbereiten und Erstellen von E-Book-Dateien, das Erstellen und Bearbeiten von Abrechnungs-Dateien im Excel-Programm, bibliothekarische Hilfstätigkeiten (Organisation und Pflege) sowie das Erstellen von Blogplänen im Rahmen des Marketing.
Diese Aufgaben hat Herr XXXXX vollständig und zu meiner vollsten Zufriedenheit nach kurzer Einführung selbstständig durchgeführt.
Augsburg, den XX.XX.2016
Unterschrift
Zu Lesungen siehe auch:

Dienstag, 10. Januar 2017

Wozu sind Tagebücher gut?



Sind Tagebücher nicht längst veraltet? Es gibt doch facebook, twitter und all die vielen Blogs? Ist es nicht viel einfacher, im PC oder in der Cloud niederzulegen, was man nicht vergessen wollte?
Viele Autorinnen und Autoren schreiben aber immer noch ein Tagebuch per Hand - oft enthalten diese ihre Gedanken zur Welt, neue literarische Ideen und Entwürfe, Skizzen zu ihrem Alltag oder einfach nur alltägliche Erlebnisse und Gesprächsfetzen, die frisches Material für Szenen, Dialoge, Personenbeschreibungen oder für völlig neue Romanideen sind. Tagebücher sind ein wahrer Fundus fürs Schreiben, und hier haben sie ihre gute Berechtigung.
Neben verschiedenen Blogs habe ich auch lange Zeit Tagebücher geschrieben, diese aber vernichtet, als ich noch einmal geheiratet habe. Das alte Leben sollte aus meinem neuen verschwinden. Es war mir nebensächlich geworden. Heute tut es mir Leid, denn das Leben lässt sich ja nicht einfach wegpacken oder stellenweise abschalten. Und die wenigen wirklich persönlichen Dinge darin rechtfertigten eine Vernichtung nicht. Heute vermisse ich das Zurückblättern, das Erinnern, das Suchen nach Ereignissen, die ich in meinen Texten beschreiben will. Außerdem sind Tagebücher nicht nur etwas für mich selbst, sondern sie enthalten Gedanken und Ereignisse, die auch für die Nachwelt interessant und wertvoll sind. Ich habe z.B. gern in den veröffentlichten Tagebüchern von Max Frisch oder Henry David Thoreau gelesen - sie geben nicht nur Auskunft über die Erlebnis- und Gedankenwelt des jeweiligen Autors, sondern zeichnen auch ein Bild seiner Zeit.
 Doch was passiert mit meinen Tagebüchern, wenn ich mal nicht mehr bin? Meine Frau wird vielleicht hineinschauen und sie dann definitiv auf den Müll werfen, damit sie nicht unserem Kind in die Hände fallen, weshalb ich sie, neben meinem anderen Nachlass (oder Vorlass müsste ich jetzt erst einmal sagen), dem Literaturarchiv Ostwürttemberg vermacht habe, mit der Maßgabe, dass meine Tochter die Verwertungsrechte bekommt, sobald sie volljährig ist.
Foto: pixabay
 Speziell für Tagebücher gibt es aber noch eine andere Möglichkeit der Erhaltung: Das Deutsche Tagebucharchiv (LINK) sichert Tagebücher als Zeitzeugnisse und erschließt sie wissenschaftlich - ob es sich nun um Prominenz oder Privatleute handelt. Für Schriftsteller, die historisch schreiben, ein unermesslicher Fundus, aber zunehmend auch für Historiker, Soziologen etc. Schade, dass ich so viel vernichtet habe - das wäre eine Fundgrube für Psychologen (ganz besonders für Pubertätsforscher) gewesen. Nun, ich erachte meine persönlichen Tagebücher nicht als übermäßig wertvoll, zumal die Welt im Untergehen begriffen ist (Ozonloch, Erderwärmung, Polschmelze, Terrorismus, Trump), aber ich möchte, dass sie erhalten bleiben und dass die Zwei, die mich überleben, meine Tochter und meine Erinnerungen, irgendwann zusammenkommen.
Ich habe also ein persönliches Motiv, meine Tagebücher fortzuschreiben. Nicht jeden Tag, aber sporadisch, mit dem was mir wichtig ist oder was mich gerade privat beschäftigt. Ich schreibe mit der Hand, was hoffentlich später noch irgendwer lesen kann, und führe zudem noch ein Paralleltagebuch, eine Art "Zibaldone" (LINK), in dem ich Eindrücke, Gesprächsfetzen, Exposé-Entwürfe und selbst To-Do-Listen notiere. Was davon einen Wert für die Nachwelt hat? Wer weiß.

 



Montag, 2. Januar 2017

Das neue Jahr und neue Pläne

Bahnhof Basel SBB
 Mit diesem Foto aus dem Baseler Hauptbahnhof möchte ich Euch, liebe Leserinnen und Leser, im neuen Jahr begrüßen und Euch alles Gute für 2017 wünschen.
Es wird Euch ähnlich gehen: Bahnhöfe wecken Fernweh, erzählen von Aufbruch und Ankunft, aber auch von Zwischenstopps und Veränderungen im Lebensweg. So wird es hier in diesem Blog und in meinen Reiseblog http://didiunterwegs.blogspot.de/ auch im neuen Jahr Berichte und Geschichten vom Reisen geben, die Euch zu Träumen und zum Aufbruch veranlassen. Vielleicht auch zu einer Städtereise nach Basel? Von hier aus lässt sich ein guter Teil der Schweiz in Tagesausflügen erkunden. In Basel habe ich oft in Cafés gesessen, das Leben an mir vorbeiziehen lassen und in Muße kleine Geschichten geschrieben oder Ideen für Exposés gemacht. Hier war auch der Ausgangspunkt zu Fahrten nach Zürich, Winterthur und anderen Orten in der Deutschschweiz, wo ich gelesen oder Lesungen besucht habe. Ich bereite gerade einen kleinen Bericht vor, neben anderen. Lasst Euch überraschen und schaut hin und wieder mal herein!
Außerdem demnächst an dieser Stelle diverse interessante Berichte - in Vorbereitung ist ein kleiner Exkurs über Tagebücher.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Duft nach Weiß


Es kommt nicht oft vor, dass ich einen Roman zu lesen beginne und mir die Zeit nehme (d.h. andere Aufgaben einfach liegen lasse), um es auf einen Rutsch zu verschlingen. Ich meine jetzt nicht die Unterhaltungsromane, mit denen ich mir Wartezeiten beim Arzt oder lange Fahrzeiten in der Straßenbahn erträglich mache, sondern ich meine Bücher, die mir plötzlich wichtiger werden als alles andere und für die ich bereit bin, Lebenszeit zu opfern, weil ich merke, das ich mehr zurückbekomme als das bisschen Zeit, das ich dafür gebe. Zuletzt ist mir das passiert mit "Duft nach Weiß" von Stefanie Gregg (Pendragon Verlag).
Zunächst hat es mich irritiert, dass es hier mehrere separate Handlungsstränge gibt, die auch noch zu unterschiedlichen Zeiten spielen, und anfangs weiß der Leser nicht, was diese Personen und Handlungen miteinander zu tun haben. Das Lesen wäre mir zumindest am Anfang schwer gefallen, wenn nicht die Kapitel zur Verdeutlichung jeweils mit einer Jahreszahl und einer Ortsangabe überschrieben wären. Doch nun kristallisiert sich schnell eine Geschichte heraus, die Geschichte der jungen Bulgarin Anelija, die mit ihrem Freund unterwegs ist in ihre alte Heimat, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen, die ihr in Deutschland nicht oder nur unter Schwierigkeiten gewährt würde. Während der Fahrt kommen die Erinnerungen - die Motive, Sehnsüchte, realen Erfahrungen, Enttäuschungen, und die Geschichte entwickelt sich zu einem spannenden Geflecht.
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Anelija hat als junge Frau, noch nicht ganz erwachsen, ihre Heimat unter Lebensgefahr verlassen, um bei ihrer Mutter in Deutschland zu sein, die immer wieder in Briefen versprochen hat, zu ihr nach Bulgarien zu kommen, wo Anelija bei der Großmutter und der Urgroßmutter in einem totalitären System lebte. Die beiden alten Frauen und das Kind haben sich jeweils auf ihre Weise arrangiert, weil es für sie keine andere Möglichkeit gab: Die "Baba" kannte in ihrem Leben nichts anderes als das Dasein einer Bauersfrau, die kleine Anelija kannte nichts anderes als das Leben eines Kindes, irgendwo. Kinder bauen sich ihre Welt zusammen aus den Bruchstücken ihrer Erlebnisse, aus dem, was um sie herum vorhanden ist, denn sie kennen keinen Vergleich zu etwas Anderem. Sie machen das beste aus dem, was die Welt ihnen bietet: "In der Schule war ich glücklich", heißt es zu Beginn eines der Anelija-als-Kind-Kapitel, und nur wir Erwachsenen sind, als beobachtende Leser, in der Lage, die Tücken des totalitären Regimes dahinter zu erkennen, die Indoktrination, das Wirken bis tief in das Alltagsleben hinein. Und dieses Glücklichsein ist nur die Oberfläche - Anelija leidet in Wirklichkeit unter den Einschränkungen, denen sie allseits begegnet, und oft machen ihr diese Einschränkungen Angst, besonders, wenn von ihrer Mutter als "Staatsfeind" gesprochen wird. Dass sie ohne Vater lebt, fällt für sie zunächst nur durch die Hänseleien der Schulkameraden ins Gewicht.
In ihrer Kinderzeit bekommt Anelija immer wieder Briefe von ihrer Mutter aus Deutschland, das bald zum Land ihrer Sehnsucht wird. Wenn die Mutter aber nicht zu ihr kommt, will sie bei ihrer Mutter sein. Sie träumt von dem Land, wo diese ist - Deutschland ist so weiß wie das Papier, auf dem die Briefe geschrieben sind. Ein unschuldiges Weiß, auf dem doch Lügen und Ausflüchte stehen, wie sie später erfahren muss.
Anelija lernt Deutsch, richtet ihr ganzes Leben nach ihrer Sehnsucht aus, wagt die Flucht in einem Kühllaster, die sie fast das Leben kostet (damit beginnt der Roman übrigens, und diese gefährliche Flucht erinnert an ein reales Ereignis in jüngster Zeit, was den Leser natürlich zusäzlich um die Heldin bangen lässt).
Flucht ist eigentlich hier das falsche Wort - es geht nicht darum, irgendwo weg zu kommen, sondern irgendwo hin, zur Mutter, der das plötzliche Auftauchen des fast erwachsenen Kindes peinlich und sogar eine Katastrophe ist. Entsprechend ist Anelija dann erst einmal orientierungslos. Ihr großer Traum hat sich nicht erfüllt. Ihre Mutter war damals mit einem Kind überfordert, hatte ganz andere Wünsche und Sehnsüchte und hat sich diese Wünsche nach einem besseren Leben größtenteils erfüllt - im Grunde geschah das auf Kosten der Kleinen und war, meiner Ansicht nach, auch nichts anderes als die Abtreibung, zu der Anelija heute unterwegs ist.
Es gibt über diese Geschichte, die mit so ruhigen Worten erzählt wird und doch hochdramatisch ist, noch so viel zu sagen. Ich habe hier einen Handlungsstrang völlig unbeachtet gelassen, nämlich den des Schriftstellers Markow, der anfangs mit dem Diktator persönlich vertraut ist, dann aber in Ungnade fällt und das Land verlässt, um zu einem der wichtigsten propagandistischen Gegner des Regimes zu werden. Er arbeitet für diverse Radiosender und Zeitschriften und ist dem Regime in Bulgarien ein Dorn im Auge. Der Geheimdienst wird beauftragt, ihn zu beseitigen, und es kommt zu dem bekannten "Regenschirmmord" der weltweit durch die Presse ging. Wie diese Geschichte mit den Ereignissen um Anelija und ihre Familie verknüpft ist, wird erst ganz allmählich klar, und die dadurch entstehende Spannung will ich hier dem Leser nicht rauben.
Ich habe diesen Roman gern gelesen und werde es bestimmt noch ein zweites Mal tun, denn er ist vielschichtig, stellt eine Vielzahl von Fragen und gibt auf manche eine Antwort. Am Ende steht man zum Beispiel der Erkenntnis gegenüber, dass die Motivation, ein totalitäres Land zu verlassen, nicht nur rein politisch oder wirtschaftlich begründet sein muss, sondern eine vielschichtige Sehnsucht nach Freiheit und einem Neuanfang beschreibt - ein guter Anlass, darüber nachzudenken, besonders in unseren Zeiten.

Stefanie Gregg: Duft nach Weiß

Pendragon, 15,00 €, SBN: 978-3-86532-552-5

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