Didis Bücherturm

Freitag, 6. August 2010

Lesungen sind wichtige Begegnungen

Meine Bücher verkaufen sich am besten, wenn ich sie vorstellen kann – auf Lesungen zum Beispiel. Abgesehen vom Verkauf ist natürlich eine Lesung die beste Möglichkeit, um festzustellen, wie meine Arbeit auf die Leserinnen und Leser wirkt, und die Gespräche bei so einer Veranstaltung geben mir oft wertvolle Hinweise für meine Arbeit. Beim Signieren haben die Leute oft Sonderwünsche, die ich erfülle, wenn ich kann – einmal, ich glaub es war in Göppingen, da legte mir eine Zuhörerin mir ein Buch, das sie gekauft hatte, vor mich hin und sagte: "Schreiben Sie mir einfach irgendeinen Blödsinn hier rein." Was sollte ich da tun? Ich schrieb also: "Ich soll hier irgendeinen Blödsinn reinschreiben. Also, dies ist Blödsinn." Ich dachte, jetzt haut sie mir das Buch um die Ohren, aber sie tanzte glücklich und zufrieden damit ab.
Also, Blödsinn möchte ich nicht mehr schreiben. Dass ich ganz ernsthaft bei der Sache bin, kann man auf meiner nächsten Lesung erfahren – am 29.9.2010 um 20 Uhr in der Buchecke Diedorf, Hauptstr. 29, 86420 Diedorf, Eintritt 8 Euro, aber dafür gibt es auch was zu trinken. Zu hören gibt es Szenen aus "Goethes Hinrichtung".




Signierstunde - hier im Verkehrsmuseum Dresden, Frühjahr 2009







Vorher kann man mich noch im Fernsehen "bewundern" – am 21.8.2010 zeigt ARTE um 20.15 Uhr "Das Rätsel Diesel", einen gut recherchierten Terra-X-Film, in dem mehrfach aus einem Interview mit mir zitiert wird (aufgenommen im Kurhaus-Theater Göggingen). Meine erste Reaktion, als ich mich im Film sah: "Meine Güte, was bin ich dick geworden!" Tja, Freunde, ich werde künftig meine Schweinshaxe wohl ohne Knödel essen müssen. Darüber hinaus ist der Film wirklich sehenswert, weil er nicht ur das spannende Leben, sondern auch den noch immer nicht ganz geklärten Tod Rudolf Diesels beleuchtet.

Dienstag, 20. Juli 2010

Lesung im Klostergarten

Es ist lange her, dass ich in Augsburg gelesen habe – ich glaube, es war im Januar, dass ich im "Hoffmannkeller" zum Thema "Eis", dem Thema der diesjährigen Schüler-Anthologie, aus dem "Diesel"- und dem "Goethe"-Roman vorlas. Jetzt war ich in den Klostergarten St. Stephan eingeladen. Dieser Garten ist sonst öffentlich nicht zugänglich, und so war es schon etwas Besonderes, dort zu lesen. Es war gut vorbereitet, ungefähr fünfzig Leute kamen, und noch bevor die Lesung anfing, waren schon neun Bücher verkauft. Unterdessen erzählte mein Bruder einem der Patres, dass er mal ein peinliches Erlebnis damit hatte, dass er "Jesus-Witze" erzählt hatte, und ich konnte gerade noch verhindern, dass er diese Witze zum Besten gab (nur als Beispiel, natürlich).

Herr Ferber, der das Ganze in die Wege geleitet hatte, hielt eine kurze Einführung, dann gab es Saxophon-Musik zur Einstimmung, und nun stieg ich aufs Podest. Ich war froh, dass es ein Mikrofon gab, denn sonst hätte ich mich im Freien kaum verständlich machen können. Ich las zwei Passagen, dann gab es wieder Musik, dann wieder zwei Passagen von mir, zum Schluss eine Zugabe und eine kleine Diskussion. Ich finde es angenehm, wenn die Leute Fragen stellen. Ich redete dann am Büchertisch noch mit einigen Leuten, es war sehr angenehm. Die Tageshitze war vorbei, die Stechfliegen verlogen, und ich bewunderte den riesigen Garten, den man in solcher Größe in diesem verwinkelten Teil von Augsburg gar nicht vermutet hätte. Harald, der Analyn und mich gefahren hatte, half uns, alles wieder in den Wagen zu laden, und wir luden ihn anschließend zu einem Bierchen in den "Bayrischen Löwen" in der Ulmer Straße ein. Ich war zufrieden mit der gelungenen Lesung – das Publikum hatte mir meine Versprecher nicht übel genommen, und man hatte mir aufmerksam gelauscht.

Sonntag, 4. Juli 2010

Autoren-Alltag

Im Moment: Stress. Die Titelbilder für die ersten beiden Bände meiner Krimi-Reihe "Nordpol ermittelt" sind schon entworfen, von Band 1 habe ich gerade mal die Hälfte fertig, Abgabe-Termin Monatsende.
Morgen Regionaltreffen des Verbandes deutscher Schriftsteller im Biergarten "Lueginsland" in Augsburg, zu dem ich als Vorsitzender eingeladen habe. Am 11. ein Treffen mit dem Freund und Schriftstellerkollegen Christian Hoffmann in Augsburg (genau gleichzeitig findet ein Fest der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft statt – wie soll ich das nur unter einen Hut bringen?).
Inzwischen bereite ich mich auch schon auf die Lesung im Klostergarten St. Stephan vor – am 15.7. um 19.30 Uhr beim Gymnasium St. Stephan, Gallusplatz 2, Augsburg. Gäste sind willkommen, und Eintritt ist frei!















Plakat: OStR Matthias Ferber

Samstag, 3. Juli 2010

Der rote Enkel erzählt

Wer erinnert sich nicht an "Der rote Großvater erzählt" und ähnliche berühmte Fischer-Taschenbücher, die in den 70er und 80er Jahren erschienen und praktisch in jeder deutschen Buchhandlung auslagen? Damals hatten Arbeiter und Angestellte angefangen, aus ihrem Berufsalltag zu berichten. Es ging nicht um hohe Literatur und ausgefeilte stilistische Ziselierungen, sondern um die Schilderungen der Realitäten des Arbeitsalltags – um Ausbeutung, Schikanen, Folgen der Schichtarbeit, Arbeitslosigkeit und allem, was mit dem weiten Begriff "Arbeitswelt" zu tun hat. Herausgeber war der "Werkkreis Literatur der Arbeitswelt", eine Vereinigung schreibender Arbeiter und Angestellter, und es gingen daraus heute so bekannte Namen wie Max von der Grün, Erasmus Schöfer, Günter Wallraff oder August Kühn hervor. Die Idee war, dass jeder, der im Abhängigkeitsfeld der Arbeitswelt steht, darüber auch schreiben kann und soll, um sich selbst und anderen eine Bewusstwerdung zu ermöglichen. Da viele sich das Schreiben nicht zutrauten, wurden "Werkstätten" geschaffen, wo man Geschriebenes erst einmal intern einem Kreis von Gleichgesinnten vorstellte und sich mit gegenseitiger offener Kritik weiterhalf. Das war vor vierzig Jahren, und die breite Öffentlichkeit sowie die bürgerliche Presse gaben diesem Experiment keine großen Chancen, zumal "hohe Literatur" davon nicht zu erwarten, war, und die Nähe zu den Gewerkschaften erschien dem bürgerlichen Lager ohnehin suspekt.
Nun, heute ist der "Werkkreis", ein deutschlandweiter Zusammenschluss dieser schreibenden Laien, vierzig Jahre alt, und nach einer gewissen Flaute, die dem vorübergehenden Niedergang der Linken als Folge des Zusammenbruchs der Sowjetunion und des Endes der DDR zu verdanken war, was alles "Linke" zunächst als antiquiert und unbrauchbar erscheinen ließ, blüht der Werkkreis wieder auf, es gibt zahlreiche Werkstätten im ganzen Land und eine Zunahme der Mitgliederzahlen – erstaunlicherweise auch unter jungen Leuten. Ein kleiner, aber engagierter Verlag, der Geest-Verlag in Vechta, hat sich vieler Autoren angenommen und ihre Arbeiten in Anthologien oder Einzelpublikationen veröffentlicht.
Nun ist zum vierzigjährigen Jubiläum dieses sehr lebendigen Vereins eine Anthologie erschienen, die den Querschnitt der heutigen Arbeit zeigt, allerdings nicht beim Geest-Verlag, sondern in der Münchner Edition Einhorn, mit einem Holzschnitt von Joachim Graf auf der Titelseite und einer Vielzahl von Texten, die die Bandbreite der im "Werkkreis" Schreibenden zeigt. Man muss noch immer keine elitäre Literatur erwarten, dafür findet man eine Vielzahl engagierte Texte, die auch die Wandlung der Arbeits- und Lebenswelt in diesen vierzig Jahren bis heute widerspiegelt. Gedichte, Erzählungen, Romanauszüge, Satiren – hier zeigt sich eine große Vielfalt, die sich auch in den Namen der beteiligten Autorinnen und Autoren ausdrückt. So mancher Text hat mich beeindruckt, während Anderes mir allzu lapidar erschien, aber die Texte sind halt so unterschiedlich wie die Teilnehmer an diesem Lesebuch, das auf 230 Seiten eine Menge Abwechslung bietet. Erfreulich ist auch die Vielzahl nichtdeutscher Namen, die auf eine gelungene Einbeziehung vieler im Ausland geborener Arbeitnehmer hinweist, die im Werkkreis besonders engagiert sind.
Zu bemängeln ist leider das Inhaltsverzeichnis, das neben den Titeln auch die Namen der Autoren hätte nennen sollen, auch fehlt ein Anhang mit den Namen und Veröffentlichungen derer, die hier einen Beitrag geleistet haben. Aber diese Unterlassungssünden vergisst man bei der Lektüre vieler eindrucksvoller Beiträge. Dem Buch ist Erfolg zu wünschen – und ein besserer Vertrieb, denn eine ISBN ist keine Garantie mehr dafür, dass man einfach in den Buchladen gehen und den Titel bestellen kann: Im Internet, z.B. bei "amazon", ist das Buch aufgeführt, aber ohne Wiedergabe des Titelbildes und mit zum Teil falsch geschriebenen Herausgebernamen – und dort leider auch nicht bestellbar. Am besten ist es also, man wendet sich an ein Werkkreismitglied unter seinen Bekannten, oder ruft die Homepage des Werkkreises auf: www.werkkreis-literatur.de. Einzelbestellungen werden hier portofrei ausgeliefert. Dort findet man auch eine Menge weitergehende Informationen sowie die bisherigen Anthologien der engagierten Vereinigung und die Bücher vieler Mitglieder. Den Verlag findet man unter www.edition-einhorn.de.

Anders, Dosch, Michel, Stüwe, Rümmler (Hrsg.): "Nur das halbe Leben – Geschichten aus der Arbeitswelt. 40 Jahre Werkkreis Literatur der Arbeitswelt". Edition Einhorn, München 2010, 230 Seiten, illustriert, Paperback, Preis 9,80 Euro
Bestellung: www.werkkreis-literatur.de.