Didis Bücherturm

Samstag, 13. November 2010

Buchbesprechung: "Das Glück fährt Taxi" von Rosita Hoppe

Ein unterhaltsamer Liebesroman kam mir vor einigen Tagen frisch auf den Schreibtisch – recht einfach aufgemacht, im handlichen A-5-Format, mit einem Titelbild wie von einem Werbegrafiker. Es verspricht eine humorvolle Geschichte von zwei Menschen, die von der großen Liebe träumen. Carly, Inhaberin einer Modeboutique, hat schlechte Erfahrungen mit Männern hinter sich und will sich auch auf Drängen ihrer Freundinnen nicht auf eine neue Beziehung einlassen. Zu Philipp, einem jungen Taxifahrer, auf den sie immer wieder trifft, hat sie ein äußerst zwiespältiges Verhältnis. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen – die beiden scheinen sich spinnefeind. Und dann taucht Carlys Exfreund auf und betreibt eine bösartige Intrige. Wie soll das nur enden? Der Leser taucht ein in eine Gefühlswelt, die so wechselhaft ist wie Aprilwetter. Mehr will ich nicht verraten.
Der Hintergrund kommt ein wenig blass daher, die Kleinstadt, in der die Geschichte spielt, könnte überall sein, denn es tauchen keine markanten Konturen auf – wahrscheinlich ist das so gewollt, damit die Leserin sich leichter in die Story hineinversetzen kann. Der Urlaubsort Iseo in Norditalien wird hingegen plastisch geschildert, ein echter Kontrast. Es werden ein paar Klischees bedient, aber Klischees sind in Liebesromanen ja notwendig: Die Leserin muss sich in einer bekannten Umgebung heimisch fühlen, um sich richtig wohlig in die Liebesgeschichte zu kuscheln und mit der Heldin zu bangen. Als Mann bangt man natürlich eher mit dem männlichen Part und möchte ihm am liebsten ein paar Tipps zurufen.
Diese Geschichte ist glatt und gekonnt geschrieben, und wir werden von der Autorin wahrscheinlich noch Einiges mehr zu lesen bekommen.

Rosita Hoppe: "Das Glück fährt Taxi", Aaronis Collection, Aspach, ISBN 978-3-936524-14-7

Ich steh im Stau! Lesehonorare!

In den letzten Tagen hatte ich eine Menge Hektik. Ich hatte mehrere Lesungen, die ich zum Teil intensiv vorbereiten musste, und drei oder vier liegen noch vor mir. Mein Krimi verkauft sich überraschend gut, es ist ja bundesweit die richtige Zeit für Regionalkrimis, und man liest auch in Augsburg Krimis aus dem Ruhrgebiet oder der Eifel, und so hoffe ich, dass man umgekehrt dort auch welche von hier liest. Zum Thema Rezensionen sowie zu den Lesungen, hier speziell Lesehonorare, heute ein paar Anmerkungen.

Rezensionen:
Ich hatte zwischendurch keine Zeit, die Bücher, die mir zur Rezension vorgelegt wurden, zu lesen und zu besprechen. Daher ist ein kleiner Rückstau entstanden. Hier liegen:
"Zombies" von A. J. Weigoni
"Vignetten" von A. J. Weigoni
"Läden und Leute – Augsburgs schönste Geschäfte und Werkstätten" von Wolfgang Köhler und Ruth Plössel
"Vogelkirschen" von Kristiane Kondrat
"Das Glück fährt Taxi" von Rosita Hoppe
"Gleitflüge zwischen den Gezeiten" von Peter Ettl
"Die Blinden der Rue Moreau" von Peter Ettl
Sowie
"Traumtrabanten" von Peter Ettl
Habe ich jemanden vergessen? Ich werde Euch alle vorstellen, Freunde. Einen Teil der Bücher habe ich bereits gelesen, und die obige Reihenfolge werde ich dabei nicht unbedingt einhalten.

Lesehonorare
Vorab ein leidiges Thema: die Honorare für die Lesungen.
Ich habe mal an zwei Beispielen ausgerechnet, wie viel Honorar ich netto habe.

Beispiel 1: brutto 200 Euro auf die Hand
davon ziehe ich 19% Mehrwertsteuer ab (38 Euro), die ans Finanzamt gehen, bleiben 162,00 Euro
minus 15% für Kranken- Renten- und Pflegeversicherung (24,30) bleiben 137,70
davon noch mal 15% Büropauschale (Raummiete, Strom, Heizung, Telefon, Internet, Material, Arbeitsgeräte usw.) – (20,65), bleiben mir 117,05 Euro
davon bilde ich die vorgeschriebene Rücklage für Auftragsflauten (entspricht in etwa der Arbeitslosenversicherung), macht 5,27 – verbleiben mir 111,78
davon zahle ich Einkommensteuer, hier mal pauschal mit 10% angesetzt (11,18),bleiben mir netto 100,60 Euro.
In Beispiel 2 sieht das so aus:
Gebotenes Honorar 18 Euro für die ganze Lesung (im Ernst! Veranstalter ist das Berufsbildungszentrum der Lehmbaugruppe Augsburg)
davon ziehe ich 19% Mehrwertsteuer ab (3,42 Euro), die ans Finanzamt gehen, bleiben 14,48 Euro
minus 15% für Kranken- Renten- und Pflegeversicherung (2,17) bleiben 12,31
davon noch mal 15% Büropauschale (Raummiete, Strom, Heizung, Telefon, Internet, Material, Arbeitsgeräte usw.) – (1,85), bleiben mir 10,46 Euro
davon bilde ich die vorgeschriebene Rücklage für Auftragsflauten (entspricht in etwa der Arbeitslosenversicherung), macht 0,47 – verbleiben mir 9,99
davon zahle ich Einkommensteuer, hier mal pauschal mit 10% angesetzt (0,99),bleiben mir netto glatte 9,00 Euro.
Ein schöner Stundenlohn, denkt sich Mancher. Ja, wenn die Lesung eine Stunde dauern würde. Meist sind es schon mal 1,5 bis 2. Das rechne ich jetzt gar nicht mit. Lesung eine Stunde, Hin und Rückfahrt mit dem ÖPNV (keine Erstattung!) 2 Stunden zusammen, hinzu kommt die Vorbereitungszeit telefonisch und per Mail von 1 Stunde (dass mich mancher Veranstalter vorher noch extra antanzen lässt, ist hier mal außen vor gelassen), für die Textauswahl, die auf die veranschlagte Zeit passt, brauche ich mindestens eine halbe Stunde, zum Schluss kommt noch eine Viertelstunde Buchführung hinzu. Also: Das Ganze geteilt durch 4,75.
In Beispiel 1 (200-Euro-Pauschale) sind das 21,18 Euro pro Stunde, was ein akzeptables Honorar für einen Akademiker ist. Im zweiten Fall ist den Leuten die Veranstaltung nur 1,38 Euro wert. Allerdings soll ich in diesem Fallnoch Mehrleistungen erbringen: Die verlangen für diese eine Stunde Lesung einen Lebenslauf mit Lichtbild (!), eine unterschriebene Datenschutzerklärung (deswegen veröffentliche ich diese Berechnung hier, bevor ich das unterschreibe – wenn ich es denn tue) plus einen Ausbilder-Eignungsnachweis. Das bedeutet mindesten eine Stunde Mehrarbeit, und wenn ich die Kosten für das Lichtbild hinzurechne, komme ich deutlich ins Minus - habe aber die Arbeit.
Der Veranstalter richtet Kurse für Arbeitslose aus und kassiert dafür von der Behörde offenbar ziemlich saftig, den Blogs von Teilnehmern zufolge (aus denen auch hervorgeht, dass das Ganze nichts bringt). Was lernen wir daraus?

Montag, 1. November 2010

Ein Abend in Gersthofen

Es gab einmal eine Zeit, da wusste ich nicht einmal, wo Gersthofen liegt, aber dann, Anfang der Siebzigerjahre, wurde meine erste Erzählung außerhalb des Schülerzeitungs-Milieus in der Zeitschrift "und" des damals Gersthofener Maro-Verlags veröffentlicht: Und jetzt habe ich zum ersten Mal in Gersthofen aus einem meiner Bücher gelesen. Längst kenne ich die Stadt, ich wandere gelegentlich in ihrer Umgebung, kaufe in dortigen Geschäften ein. Die Buchhandlung am Ballonmuseum (einem ehemaligen Wasserturm gegenüber eines Einkaufszentrums) hatte ich bereits gesehen und die Auslagen betrachtet – und nun war ich ein willkommener Gast dort. Für meine Lesung am 27.10. (Oha! Ist das schon wieder so lange her?) hatten die Mitarbeiterinnen einen Teil der Regale zur Seite geräumt und etliche Stühle aufgestellt. Dr. Köhler vom Wißner-Verlag, der so nett war, uns im Wagen mitzunehmen, sowie Analyn und ich wurden von den drei Inhaberinnen gut gelaunt begrüßt und mit dem Musiker bekannt gemacht. Der Laden füllte sich rasch, und es war beileibe nicht nur weibliches Publikum, wie man es sonst gelegentlich erlebt.
Ich hatte ein wenig Sorgen, nicht die richtigen Stellen aus meinem Krimi ausgewählt zu haben, denn das ist ja nicht ganz einfach – ich wollte möglichst wenig von der Lösung des Kriminalfalles verraten, gleichzeitig aber die Vielseitigkeit des Romans und den lokalen Bezug zeigen. Das ist mir wohl gelungen – etliche Bücher gingen anschließend über den Ladentisch, und einige Kundinnen ließen sich gleich zwei Exemplare signieren ("Ist ja bald Weihnachten!"). Diskutiert wurde nur wenig, es gab ein paar Fragen, am Ende stürzte sich alles auf den kleinen Imbiss (Quiche und gefüllte Teigtaschen) und den köstlichen Wein. Ein wohlgerundeter Abend!
Zur Lesung spielte übrigens der Gitarrist Wassily Frank (lnks im Bild), und zwar mit drei "Lettres" von Roland Dyens (http://www.rolanddyens.com/): "Lettre latine", "Lettre au calme" (sehr schön!) und "Lettre encore".
Tipp: http://www.buchladen-gersthofen.de//

Und noch ein Hinweis: Von "Darklady" bekam ich folgenden Link geschickt (lohnt, komplett anzuhören!):
http://www.youtube.com/watch?v=Weq_sHxghcg

Montag, 25. Oktober 2010

Lesungen und Buchpreis

Bin schon einige Tage nicht dazu gekommen, mich hier zu melden. Ich arbeite mit Hochdruck an einem Roman, der bald abzuliefern ist, und morgen erscheint wahrscheinlich mein Krimi. Übermorgen habe ich die erste Lesung – in Gersthofen. Bin sehr gespannt, wie mein Krimi ankommt. Ich muss heute noch geeignete Szenen zum Lesen auswählen.
Ich habe versprochen, hier jede Woche einen Buchpreis für den besten Kommentar zu vergeben – den letzten hat "Darklady" (der Name bezieht sich vermutlich nicht auf das gleichnamige Album von Cher oder die Sonette von Shakespeare, sondern – seht selbst: http://darklady.twoday.net/) gewonnen. Gratuliere!
Nun kam von anderer Seite die berechtigte Kritik, dass hier ganze Wochen ohne Eintrag und ohne Kommentar vergehen, und dass deshalb die wöchentliche Verlosung unsinnig sei. Also dann: ab sofort ist es eine monatliche Verlosung. Für den besten (lustigsten, bösesten usw.) Kommentar im November gibt es dieses Buch:
Karikaturen rund ums Buch von Greser und Lenz. Erschienen 2004, aber wie neu aussehend. Nur Mut, Leute! Ich freue mich auf Eure Meinung.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Warnung 1: Vorsicht Vorwärts!

Seit Jahrzehnten kämpfen unter anderem Gewerkschaften dafür, dass es für Arbeit, die man leistet, auch gerechten Lohn gibt, und auch die SPD hat sich das auf ihre Fahne geschrieben. Habe ich jedenfalls bisher geglaubt. Nun finde ich auf http://www.vorwaerts.de/, der Homepage des "Vorwärts", der Mitgliederzeitung der SPD, einen Link mit dem Titel "das eigene Buch" zu einem Selbstzahlerverlag – das sind Verlage, die von Autoren, die sich gedruckt sehen wollen, Geld nehmen statt ihnen Honorar zu zahlen. Und in diesem Fall scheint sogar der "Vorwärts"-Verlag selbst dahinter zu stecken.
Habt Ihr es wirklich nötig, Genossen, Euch unter die Ausbeuter einzureihen? Kann die Partei sich nicht mehr anders finanzieren? Ihr fallt damit jeglichen Bemühungen, u. a. durch ver.di, in den Rücken. Informiert Euch doch mal unter http://www.aktionsbuendnis-faire-verlage.com/ (nicht zu verwechseln mit http://www.aktionsbuendnis-faire-verlage.de/, wo sich ein "Gegenangriff" formiert hat). Und bitte hört auf, von uns Autoren, die wir uns ohnehin mit unserem Einkommen am unteren Rand des Existenzminimums bewegen, auch noch Geld dafür zu verlangen, dass wir unsere Arbeit anbieten dürfen.

Samstag, 16. Oktober 2010

Noch mehr Interviews

Im Blog von Aveleen Avide sind noch eine ganze Reihe von Interviews erschienen. Es lohnt sich, die Liste mal anzuklicken. Ich fand auf Anhieb mehrere gute Freunde und Kollegen (d.h., in diesem Fall fast nur Kolleginnen):

Ednor Mier:
http://aveleen-avide.blog.de/2010/08/06/interview-ednor-mier-9136348/
Angeline Bauer:
http://aveleen-avide.blog.de/2009/06/05/interview-angeline-bauer-6240410/
Michelle Raven:
http://aveleen-avide.blog.de/2009/02/27/interview-michelle-raven-5659252/
Kerstin Gier:
http://aveleen-avide.blog.de/2008/09/19/interview-kerstin-gier-4748777/
Hilke Sellnick:
http://aveleen-avide.blog.de/2009/04/02/interview-hilke-sellnick-5878843/

Den Link zu Susan Hastings liefere ich nach; ich glaube, dieses Interview steht zur Zeit direkt im Blog unter http://aveleen-avide.blog.de/, bis das nächste Interview an diese Stelle tritt. Es gibt noch weit mehr Interviews dort, z.B. ein doppeltes (mit Film) von Iny Lorentz, Sebastian Fitzek und vielen anderen. Eine richtige Fundgrube für jeden, der Rezensionen schreibt und ein paar Hintergründe erwähnen möchte.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Interview

Vor ein paar Wochen hat die Kollegin Aveleen Avide mich interviewt – das ist jetzt online in ihrem Blog zu lesen:
http://aveleen-avide.blog.de/2010/10/01/interview-viktor-glass-9497630/
Ganz schön ausführlich geworden, aber an meinem 60. Geburtstag durfte ich schon mal geschwätzig sein, oder?

Sonntag, 10. Oktober 2010

Ab sofort: Bei mir gibt es Bücher zu gewinnen!

Schade, dass ich auf meinen Blog so wenig Echo bekomme, dachte ich mir und habe nachgesehen, was andere so mit ihren Blogs machen. Das wichtigste ist wohl, dass Kommentare kommen – also klickt mal unten auf das Wort "Kommentar", dann erscheint ein Feld – na ja, den Rest wist Ihr ja selbst. Künftig gibt es für den Kommentar, der mir am besten gefällt (muss keine Lobhudelei sein!), jede Woche eine Buchprämie – für die beginnende 41. Kalenderwoche ist es "Im Tal des weißen Tigers" von D.D. Camberley (das ist ein altes Pseudonym von mir selbst, daher gibt es das Buch auf Wunsch mit Widmung). Es ist eine Abenteuer- und Liebesgeschichte vor dem subtropischen Hintergrund Vietnams. Bei Amazon finden sich 6 Kundenrezensionen dazu.

In der abgelaufenen Woche bin ich nicht dazu gekommen, hier meine Einträge zu machen – mein Kriminalroman ist fertig, ich arbeite weiter am "Attentäter"-Buch, das ich mit einem Kollegen zusammen schreibe, und muss außerdem zwei Kurzgeschichten und ein Exposé fertig stellen. Genug Arbeit also, die mich beschäftigt hält. Trotzdem gibt es, wie versprochen, einen Linktipp von mir – wegen der Verspätung gleich zwei:
Wer sich für Dokumentarfilme interessiert (oder etwas Interessantes im Fernsehen verpasst hat), wird vielleicht fündig auf http://www.dokumentarfilm24.de/ – hier werden ständig neue Dokus vorgestellt und können zum Teil heruntergeladen werden. Einfach mal stöbern!
Sehr aufschlussreich finde ich http://www.landlive.de/ - hier wird alles diskutiert, was Bauern interessiert, von Schweinemast über Biogasanlagen bis Partnervermittlung. Wer sich ein Bild vom wahren Landleben machen möchte (z.B. als Recherche für einen modernen Heimatroman), der findet hier genug Stoff.

Donnerstag, 30. September 2010

Buchecke Diedorf

Den Link der Woche gibt es morgen. Hier ein kleiner Bericht über einen sehr angenehmen Abend.
Seit über 16 Jahren gibt es in Diedorf westlich von Augsburg eine kleine, aber wichtige Buchhandlung, die die Versorgung der gesamten Landregion sicherstellt. Hier finden regelmäßig Lesungen und andere Veranstaltungen statt, es gibt einen kleinen Katalog und eine Homepage mit Terminen und Buchempfehlungen: http://www.buchecke-diedorf.de/. Das Ganze hat einen guten Ruf, und ich hatte schon lange den Wunsch, dort einmal zu lesen. Gestern war es also so weit – ich war eingeladen, aus "Goethes Hinrichtung" vorzutragen. Analyn und ich fuhren im Zug hin, waren viel zu früh da, besorgten uns in einer Bäckerei Krapfen, Hörnchen und Semmeln (alles sehr gut!) und aßen an einer Bushaltestelle zu Abend. Um halb acht waren wir dann zur Stelle. Die Buchhandlung wird von drei sehr netten Frauen geführt, die ihre Ehemänner, Töchter und wahrscheinlich weitere Verwandte eingeladen hatten, aber es war auch sonst ein interessiertes und, wie ich bald merken sollte, engagiertes Publikum da. Obwohl der Laden auf den ersten Blick sehr klein wirkt, haben viele Leute Platz – die Regale, zwischen denen man sonst geht, sind auf Rollen fahrbar und können zur Seite geschoben werden, und aus dem Hinterzimmer werden Stühle geholt – keine Taizé-Hocker, wie man sie sonst oft sieht, sondern richtig komfortable Sessel. Ich bekam auch so einen bequemen Stuhl, dazu ein originelles rotes Tischchen (ein Viertel eines runden Tisches, in Rot, passend zum Namen "Buchecke"), aber da meine Stimme im Sitzen nicht gerade raumfüllend ist, habe ich schließlich im Stehen vorgetragen, zuerst eine Passage aus dem Leben der Johanna, vorsichtig, in die Gesichter schauend – der Text kam gut an, hatte ich das Gefühl. Man merkt ja die Stimmung, auch wenn niemand etwas sagt. Also las ich noch weitere Szenen dieser Passage, dann eine andere, aus dem Leben Goethes, als Kontrast. Ich hätte nun im vorderen Teil des Buches bleiben können, aber ich spürte Neugier, die Leute sandten irgendwie Signale aus, vielleicht durch Körpersprache oder durch ihre Mienen – ich hatte das Gefühl, sie könnten etwas stärkeren Tobak vertragen – also las ich etwas aus dem letzten Viertel, zwar nicht die Hinrichtungsszene, aber die Henkersmahlzeit, eine Groteske, in der ich beschreibe, wie Richter, Henker und Geistliche mit der Delinquentin am Tisch sitzen und speisen. Anschließend kamen ein paar Fragen aus dem Publikum, es waren nicht die üblichen "was hat der Dichter sich dabei gedacht", sondern Fragen, die verrieten, dass die Leute wirklich aufmerksam zugehört hatten. Ein angenehmes Publikum, eine angenehme Lesung und eine Buchhandlung, die zeigt, dass es sich lohnt, nicht übers Internet einzukaufen, sondern persönlich vor Ort.

Die Beleuchtung ist – für Kunden wie für Lesende - an jeder Stelle im Laden hervorragend. So findet man das selten!