Didis Bücherturm

Mittwoch, 1. November 2017

Vergesst die Backlist-Titel nicht!



 Vor Kurzem ist in Frankfurt wieder die weltgrößte Buchmesse zu Ende gegangen – über 7100 Aussteller präsentierten mehr als 400.000 Ausstellungsstücke (Bücher, Landkarten und digitale Produkte - Hörbücher und eBooks – Quelle: www.messen.de ).
Wer soll das alles lesen, frage ich mich. Nun, die meisten Neuveröffentlichungen sind wissenschaftlicher Natur, aber dadurch, dass eBooks und Werke von Selfpublishern jetzt mitgerechnet werden, hat die Belletristik längst prozentmäßig einen höheren Anteil. Immer mehr Lesestoff!
Viele Buchbegeisterte bemühen sich, die wichtigsten Neuerscheinungen zu lesen, was aber wahrscheinlich in einem halben Jahr nicht zu schaffen ist, denn da wartet dann die Leipziger Buchmesse mit weiteren Neuerscheinungen auf. Bei den Buchblogger(inne)n wird der Stapel noch zu lesender Bücher immer höher, die Besprechungen immer kürzer oder oberflächlicher.

Ich habe beschlossen, mich nicht selbst so unter Druck zu setzen – ich bespreche wenige Bücher: Fast nur die, die mir gefallen oder hin und wieder eins, über das ich mich besonders geärgert habe. Meist liegt die Buchmesse dann schon eine Weile zurück, oder es hat dann schon die nächste stattgefunden. Mein Buchhändler sagt, dass die Leute dann eher Neuerscheinungen verlangen und in die „alten“ gar nicht mehr hinein schauen, selbst wenn er sie aus dem Regal nimmt und auf den Tisch legt. Das ist schade, und es ist Verschwendung wertvoller Ressourcen.

An einem Buch hat ein Autor oder eine Autorin viele Monate gearbeitet, oft sogar Jahre, hat Lebenszeit und Lebenserfahrung hineingesteckt, Energie, Hoffnung und „Herzblut“. Und das nur, damit das Buch nach einem halben Jahr vom Markt verschwindet?
Es gibt Verlage, die führen noch eine Backlist und bewerben auch Bücher, die ein halbes Jahr oder älter sind – solche Verleger gefallen mir, denn sie zeigen damit, dass sie ihre Bücher lieben und auch für ihre Autoren sorgen.  Als Autor freue ich mich natürlich, wenn mein Buch länger erhältlich ist als nur ein paar Monate nach Erscheinen. Oft braucht die Presse einige Zeit, um Rezensionen zu schreiben (zumal wenn der Autor nicht zu den bekannten Koryphäen zählt), und die Buchhandlungen machen natürlich nur Lesungen, wenn damit zu rechnen ist, dass auch noch Bücher verkauft werden können.
Ein anderer Punkt ist, dass ein Buch sich nachträglich noch als Best- oder Longseller erweisen kann, oder dass manch ein Leser sich einen bestimmten Titel erst später kauft, weil er nicht all die Neuerscheinungen, die zur Messezeit auf den Markt kommen, gleichzeitig wahrnimmt und schon gar nicht gleichzeitig kaufen kann.

Ich zum Beispiel mache unter älteren Büchern so manche Entdeckung. Das muss nicht erst auf dem Wühltisch passieren (das ist ohnehin eine schädliche Einrichtung, denn dort landen Bücher oft viel zu schnell, weil speziell die großen Verlage den Lagerplatz möglichst bald wieder brauchen und durch die Verramschung nicht nur Lagerkosten sparen, sondern auch noch das Stückhonorar des Autors), sondern ich suche, wenn mir ein Buch gefallen hat, auch noch nach anderen, eben älteren, Titeln des Autors, die es von ihm gibt. Dass ich als Leser diese Chance habe, ist meist einer Backlist zu verdanken.
Dass Bücher damit länger auf dem Markt sind, freut einerseits den Leser, der auf Empfehlungen durch Rezensionen oder Mundpropaganda noch zurückgreifen kann, andererseits den Buchhändler, der seine Regale nicht ständig für immer mehr Kurzlebiges umräumen muss und vor allem weniger remittiert.

Ich habe zur Zeit einen ganzen Stapel „Backlist“ und aktuelle Titel hier liegen, größtenteils frisch gelesen, und ich werde in der nächsten Zeit sicher etwas darüber schreiben:
Rainer Gross: „Grafeneck“
Rainer Gross: „Kettenacker“
Alexander Häusser: „Zeppelin!“
Mechtild Borrmann: „Wer das Schweigen bricht“
Andreas Kollender: „Kolbe“
Andreas Kollender: „Von allen guten Geistern“
(diese Titel stammen allesamt aus dem Pendragon-Verlag)

Weiterhin liegen hier:
Jan Hoffmann: „Tod in Augsburg“ (emons:)
und Tom Rob Smith: „The Farm“ (Simon  Schuster) – dieses Buch lese ich gerade. Spannend, mitreißende Geschichte, aber in sehr winziger Schrift!

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