Didis Bücherturm

Donnerstag, 6. August 2015

Vom Schreiben leben - wie schaffe ich mein Arbeitspensum?



So ein Lotterleben!
Viele Leute denken, als Schriftsteller habe man es leicht. Man schläft morgens aus, frühstückt ausgiebig, macht einen Spaziergang und notiert hinterher, was einem so eingefallen ist. Irgendwann wird daraus ein Roman, der dann gedruckt erscheint und das große Geld bringt. So das gängige Klischee. Manchmal kommt der Gedanke hinzu, dass der Autor noch irgendwo Lesungen veranstaltet, bei Buchhandlungen, in Altenheimen oder auf Geburtstagen von Freunden - und natürlich weder von der Stadtbücherei noch von den Buchhändlern honoriert werden muss, denn man macht mit Lesungen ja eine immense Werbung für sein Buch, und damit verdient man doch mehr als genug, oder?
Wenn’s denn so wäre!

Mein Mindestlohn!
Wenn man vom Schreiben leben will, muss man darauf achten, dass regelmäßig Geld hereinkommt, und zwar genügend. Ich habe, um meinen Mindestverdienst zu ermitteln, aufgelistet, was ich im Monat brauche - Miete, Strom, Gas, Telefon, Abzahlungen, Fernsehgebühr, Lebensmittel, Kleidung, Steuern usw. Einen Posten für Unvorhergesehenes und fürs Sparen habe ich auch vorgesehen.
Dann rechne ich zusammen, immer Weihnachten (die Jahresabrechnung der Stadtwerke mit den Nachforderungen kommt immer am Tag davor), und erschrecke jedes Mal, wie hoch meine festen Kosten inzwischen geworden sind. Den Betrag teile ich durch 30,5 (weil die Monate halt unterschiedlich lang sind), und diesem stelle ich dann die Honorare meiner „festen Auftraggeber“ gegenüber, um auszurechnen, wie viele Seiten bzw. Zeichen ich pro Tag schreiben muss, um meinen persönlichen Mindestlohn zu erhalten. Darin steckt dann noch nichts für Freizeitbedürfnisse. Freie Tage habe ich mir zunächst einmal gar nicht zugestanden.

Selbstkontrolle
Um das Ganze im Blick zu behalten, schreibe ich in eine Tabelle, wie viele „Anschläge“ (so nannte man das im Zeitalter der Schreibmaschine) ich täglich geschafft habe. Hier ein Beispiel, das ich darunter erläutere:
Mein tägliches Morgen- und Abendritual

 Jeden Monat beginne ich eine neue Seite in meinem kleinen Statistik-Block (in der Schweiz bei Manor oder bei Migros gekauft, wegen des handlichen Formats, das nicht genau DIN A 6 ist - ich liebe die Schweizer Formate). Die Spalten zeichne ich mit dem Bleistift selbst. Die Spalte ganz links zeigt das Tagesdatum an. Daneben kommt der Projektname. Wenn da ein Vorname steht, „Sonja“ oder „Achim“ usw., heißt das, es handelt sich um einen Unterhaltungsroman - da nehme ich immer den Namen der Hauptperson als Arbeitstitel. Ich arbeite fast immer an mehreren Projekten gleichzeitig - wenn ich bei einem eine Blockade habe, wechsle ich auf ein anderes Projekt.
Morgens rufe ich alle meine laufenden Projekte auf und gehe auf die WORD-Funktion „Wörter zählen“. Diese Zahl trage ich in die nächste Spalte ein. Am Abend wird gezählt, was ich geschafft habe, dann werden diese beiden Zahlen verglichen; die Differenz ebenfalls eingetragen. Wenn ich das dann durch 1800 teile (Anschlag-Zahl einer Normseite), sollte eine Zahl mit zwei Stellen vor dem Komma, also mindestens 10, dabei herauskommen (bei allen Tagesprojekten zusammen). In der Abbildung ist also ein miserables Ergebnis zu sehen , das ich dann unbedingt bis zum Monatsende ausgleichen muss. Ehrlich gesagt, so eine Seite versetzt mich in Panik, wenn ich nicht nebenher anderweitig etwas verdient habe, z.B. durch eine öffentliche oder eine Wohnzimmerlesung. Manchmal habe ich auch ein schwieriges Projekt, das viel Recherche erfordert, so wie ich es beim „Einblick in meineWerkstatt“ in diesem Blog geschildert habe.
 Siehe auch:

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