Didis Bücherturm

Sonntag, 28. Oktober 2018

Fünfzehn Tage


Ein wahrhaft dickes Buch, das mir da auf den Tisch kam: „15 Tage“ von Rosemarie Benke-Bursian, das sie federführend zusammen mit Veronika Otto und Jonas Höbenreich schrieb – ein Krimi von rund 540 Seiten, zum Glück aber mit großzügigem Satzspiegel, so dass man es zügig lesen kann. Eingeteilt ist das Buch in fünfzehn Hauptkapitel („Tage“), und ich dachte zuerst, ich könnte jeden Tag eines dieser Hauptkapitel lesen, aber das hat aus verschiedenen Gründen, die zum Teil bei mir liegen, nicht hingehauen. War auch nicht schlimm.

Es geht in dem Roman darum, dass der fünfzehnjährige Leo verschwunden ist. Anfangs nehmen die Nachforschungen der Polizei nicht besonders viel Tempo auf, denn ein Fünfzehnjähriger kann überall sein – aber wo? Naturgemäß tappt die Polizei im Dunkeln. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten. Je mehr die Polizei herausfindet, desto rätselhafter wird der Fall. Wo hält sich der Vermisste auf, und wer ist diese rätselhafte Tilda? Diese Frage geistert durch die gesamten Nachforschungen, aber auch hier ergeben sich immer neue erstaunliche Wendungen.

Da der Roman quasi in „Echtzeit“ geschrieben ist (daher der Titel – die Ermittlungen dauern so lange), muss der/die Leser(in) die Überlegungen mitmachen. Immerhin sind hier die Ansätze verankert, die später bei der Lösung eine wichtige Rolle spielen. Das gehört sich für einen guten Krimi. Die Hauptautorin ist als erstklassige Rechercheurin bekannt, und sie schildert die Abläufe und die diversen Anläufe bei der Polizei recht genau, und da kommt die Maschinerie halt schleppend in Gang. Das ist nun mal so in der Realität. Aber der Leser rätselt mit, und das ist gut so.

Doch dann passiert etwas Überraschendes, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat, und es wäre nicht nett von mir, diese Entdeckung hier zu verraten. Ab hier wird jedenfalls der Roman richtig spannend, es kommen ständig neue Wendungen hinzu, die zur Aufklärung führen – und zuvor zu neuen Rätseln. Insgesamt also eine realistische und spannende Erzählung, die ich mit leichten Anlaufproblemen mit zunehmender Spannung gelesen habe, bis hin zum fulminanten Schluss.

Die Geschichte spielt am Starnberger See, in Tutzing und zum Teil auch in Starnberg und Fürstenfeldbruck, aber es ist nicht unbedingt einer der üblichen Lokalkrimis, sondern kann auch ohne Abstriche anderswo gelesen werden. Ich würde ihn eher als Polizeikrimi lesen. Die ermittelnden Beamten, zunächst etwas farblos, werden zunehmend plastischer, was in etwa so realistisch ist, als würde man sie nach und nach persönlich kennenlernen. Gut gelöst.

Also, liebe Leser(innen), lasst Euch nicht nach wenigen Seiten frustrieren, auch wenn die Ermittler es zunächst sind. Sie haben immerhin Durchhaltevermögen, Neugier, Interesse und schließlich Tatkraft, um das Richtige zu tun, und sie lösen den Fall auch unter persönlichen Entbehrungen.

Die Aufmachung ist ansprechend, der Text gut lektoriert.

Es lohnt sich, diesen Roman zu lesen.

Rosemarie Benke-Bursian, Veronika Otto und Jonas Höbenreich: 15 Tage. Kriminalroman. Smart  & Nett Verlag, München, ISBN 978-3-946406-20-4, Hardcover, 22,90 €



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