Hin und wieder erreichen mich
Fragen wie: „Wenn du biografische Romane schreibst, kannst du nicht mal meine
Lebensgeschichte aufschreiben?“ Was soll ich darauf sagen?
Wohl jeder Mensch hat in seinem Leben viel erlebt, hält sein
Leben für einzigartig (was es ja auch ist) und möchte anderen Menschen - seinen
Kindern und Enkeln, seinen Firmenangehörigen, oder aber auch völlig Fremden
seine Erkenntnisse und Erfahrungen weitergeben oder auch einfach nur schildern,
was in seinem Leben schön und interessant war. Warum auch nicht?
Einfach alles aufschreiben?
Am schönsten ist es, wenn man
das alles selbst aufschreiben kann. Aber wer kann schon so einfach Wichtiges
von Unwichtigem unterscheiden? Wer weiß, wie die Erlebnisse aufeinander folgen
und sich logisch bedingen? Unsere Erinnerung ist nämlich ein Scherzkeks und
versucht immer, uns auszutricksen. Und warum ist meine Jugend so kurz gewesen?
Klar, da lässt die Erinnerung einfach nach oder gaukelt uns etwas vor. Jedes
Gedächtnis sortiert Dinge aus, die es nicht mehr zu brauchen glaubt, und wenn
man es eines Tages doch abfordert, wird das Vergessene ersetzt durch eine
Erklärung, die logisch erscheint. Manchmal werden intensive Träume so
realistisch, dass das Gedächtnis sie als wahre Erinnerung einstuft. Wenn man
sich mit seinen Freunden oder Verwandten über bestimmte gemeinsame Erlebnisse
unterhält, stellt sich heraus, dass die Erinnerungen völlig unterschiedlich
sind.
Natürlich schreibe ich für mich
die Dinge so auf, wie ich selbst sie im Gedächtnis habe. Aber wenn es andere
lesen sollen, soll es interessant und spannend sein. Formulierungen wie: „Am xx
yy 19zz erblickte ich mit dem zwölften Glockenschlag das Licht der Welt und
schrie die Hebamme an, weil sie mich gehauen hatte“ sind Gemeinplätze, wurden
schon Tausende von Malen geschrieben oder erzählt. Das lässt jeden Leser
stöhnend zur Zimmerdecke blicken.
Wie strukturiert man so ein
umfangreiches Werk? Wie verhindert man, dass es ausfasert und irgendwo im
Nirwana endet. Muss eine Autobiografie mit dem Tod enden - und wie schildere
ich den?
Und warum will ich das alles
aufschreiben? Habe ich wichtige Erkenntnisse, die andere Menschen
weiterbringen? Oder will ich nur schildern, wie ich bei Uromas Tod um meine
Erbschaft gebracht wurde? Und wieder - wo fange ich dann an, wo höre ich auf,
und was mache ich, damit mich niemand verklagt?
Biografie-Kurse
Wer sich umhört oder im Internet
umschaut, stellt fest, dass es unzählige Anleitungen und Kurse gibt, die
mehrere Dinge gemeinsam haben: Sie sind vor allem zu umfangreich und zu teuer.
Warum soll ich mich ein, zwei oder drei Jahre weiterbilden, zu Kurspreisen
zwischen tausend und viertausend Euro, wenn ich nur meine eigenen Erinnerungen
aufschreiben will (was nach Beendigung des Kurses ja auch noch geschehen muss -
vielleicht habe ich nach all der investierten Zeit gar keine Kraft mehr, jetzt
noch selbst ans Werk zu gehen)?
Jemand anderen für mich
schreiben lassen
Da kommt der Gedanke, das
jemanden für mich tun zu lassen, gerade recht. Warum soll ich so viel Zeit
investieren? In der Zeitung wurde gerade ein Schriftsteller erwähnt, der ein
Buch über Mozarts Großmutter und ihre Arthritis geschrieben hat. Dem kann ich
doch ein viel interessanteres Thema anbieten: Mich! Also rufe ich ihn an.
Und bin verblüfft. Der will
Geld! Ist das denn Arbeit? Ich schenke ihm doch was, nämlich meine
Erinnerungen! Der könnte Millionär werden, wenn wir uns den Erlös teilen!
Bezahlen soll ich? Na, dann eben nicht. Dann mache ich das selbst: „Am xx yy
19zz erblickte ich mit dem zwölften Glockenschlag das Licht der Welt und schrie
die Hebamme an, weil sie mich gehauen hatte…“
Das sagt der Autor
(Jetzt kommt eine andere
Perspektive, nämlich die des Autors)
Da ruft mich jemand an. Ein
Schweizer, der von seinem Bruder um den ertragreichen Bauernhof betrogen wurde.
Ein Schwarzwälder, der einer Luzifer-Sekte angehörte und entkommen ist. Eine
Esoterikerin, die den Aufruhr im siebten Chakra zu besiegen weiß. Ein Manager,
der unglaublich schnell zum Multimillionär geworden ist und jetzt, kurz vor
Ende seiner siebenjährigen Haftstrafe, mit seinem Wissen dazu beitragen möchte,
dass auch ich zum Multimillionär werde.
Ich soll einfach ihre
Lebensgeschichte aufschreiben, sagen diese Anrufer. Das wird ein Bestseller!
Honorar oder gar einen Vorschuss können sie nicht geben. Immerhin bekomme ich
ja die Hälfte des Reinerlöses! Ehrlich gesagt, darauf kann ich lange warten. Einmal
hat mich ein Typ über Monate belästigt, der nicht einmal seine Identität
preisgeben wollte, weder Namen noch Wohnort, und ein Buch machen wollte, dessen
Druckkosten ich vorschießen sollte. Ohne dass ich wusste, wer das war.
Irgendwann später wollte er sich mit mir am Frankfurter Hauptbahnhof treffen und
mir dann einen Anteil von zehntausend Mark (!) vom Gewinn übergeben.
Ich bin eigentlich gern bereit,
für Leute, die das Bedürfnis haben, die Lebensgeschichte aufzuschreiben und
meine Erfahrung zur Verfügung zu stellen. Aber so geht das nicht.
Ich leiste richtige Arbeit, lasse dafür
manch andere Arbeit, die meine Familie und mich ernährt, liegen, und ich muss den
Einkommensverlust auffangen. Manchmal riskiere ich den Verlust eines Auftrages.
Wie für jeden, der selbstständig arbeitet, fallen für mich Kosten an: Steuern.
Krankenkasse. Raummiete. Versicherung. Kopier- und sonstige Bürokosten. Und
leben muss ich mit meiner Familie in der Zeit, die ich auf diese Aufgabe
verwende, auch. Wir beanspruchen nicht einmal Luxus.
Wenn ich einen Stundenlohn
von acht Euro (für einen Akademiker herzlich wenig) zugrunde lege, kommt dabei
ein Mindestbedarf von 36 Euro heraus. Wenn ich dann eine Querrechnung mit
Aufträgen, die mir dafür entgehen, zugrunde lege, brauche ich allerdings 40
Euro pro Stunde, um keinen Verlust zu erleiden. Gewinn habe ich dann allerdings
auch nicht.
Was zahlt man für einen Ghostwriter?
Mit welchen Kosten muss man
rechnen?
Wenn ich für Sie Ihre Lebens-
oder Firmengeschichte „aufschreiben“ soll (das ist immer deutlich mehr als
bloßes Aufschreiben!), müssen Sie mit folgenden Kosten rechnen:
Vorbereitung: Bevor wir
anfangen, bekommen Sie Hinweise zum Vorgehen, Tipps und schriftliche
Materialien zur Erinnerungsarbeit, und es gibt eine ganze Reihe von
informativen Telefonaten oder E-Mails, bevor es überhaupt losgeht. Pauschal:
150,00 Euro
Interviews: Es sollten
mindestens drei Interviews mit je drei Stunden Gesprächsaufzeichnung auf „Band“
stattfinden. Die eigentlichen Gespräche sind wesentlich länger und dehnen sich
oft bis in den späte Abend aus - und länger, da es oft in persönliche Dinge
geht. Kosten: 150,- Euro pro Termin, plus Anfahrt (preiswertestes Bahnticket,
keine Berechnung der Anfahrtszeit, falls unter 400 km).
Schreibzeit: je nach Umfang -
pro Stunde die genannten 40 Euro. Sie bekommen ein fertiges, durchkorrigiertes
und ablieferbares Manuskript - gegen einen geringen Aufpreis bin ich Ihnen,
falls gewünscht, bei der Veröffentlichung behilflich und stelle Ihnen auch da
meine Erfahrung zur Verfügung.
Anfragen bitte unter dwalter300@t-online.de
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