Didis Bücherturm

Dienstag, 17. Februar 2015

Mit Links! Ein Umweg zu spannender Lektüre



Heute mal ein gedanklicher Rundumschlag:
An diesem Morgen wollte ich ein paar Details über den Ausgang der Hamburger Bürgerschaftswahlen wissen und dabei gleich ein paar Wertungen lesen, die die meinigen erfrischend bestätigen.
Dieses Bedürfnis bekomme ich meist befriedigt, wenn ich „Jochens SozialpolitischeNachrichten“ aufrufe, und häufig gute, brauchbare Links dazu. 
Heute stieß ich dabei gleich auf eine Buchempfehlung: Inge Hannemann, „Die Hartz-IV-Diktatur“ (Die Autorin ist in die Bürgerschaft eingezogen, für die bald stärkste der Partei'n, meinen Glückwunsch!). Das Buch erscheint erst im April, kann aber schon vorbestellt werden. Mich beschäftigt dieses Thema schon lange, ich habe selbst für eventuelle Kommentare, Rezensionen, Leserbriefe usw. ein wenig Material gesammelt, das mir dabei hilfreich sein könnte. Bin auf das Buch also schon gespannt und werde versuchen, es hier zu besprechen, auch aus persönlicher Sicht und Erfahrung.
Dann fiel mir auf, da steht ja ein zweiter Name auf dem Titel. Beate Rygiert.
Kommt mir doch bekannt vor, denke ich. Sind wir nicht im selben Verein? Delia wahrscheinlich. Ich schlage also bei Delia-Online nach, und siehe da, es stimmt. Interessante Ansammlung von Veröffentlichungen. Und eins dieser Bücher habe ich doch neulich erst gekauft. Da, steht noch im Regal ungelesener Bücher unter „demnächst“. 
Also rausgezogen, reingelesen, festgelesen.
„Bronjas Erbe“. Eine spannende Geschichte. Habe vier Stunden nicht gearbeitet, und gleich geht es früh ins Bett (na ja, kurz vor Mitternacht), um nochmal drei Stunden zu lesen. Hab’s noch nicht zu Ende, kann es aber schon empfehlen! Die Kirschen auf dem Titelbild verraten schon den Schauplatz: An der Weichsel.

Dienstag, 10. Februar 2015

Einblick in meine Werkstatt


Zur Zeit schreibe ich (unter anderem) an einem biografischen Roman und habe dadurch wenig Zeit für diesen Blog. Lange habe ich überlegt, ob es richtig ist, damit hinter dem Berg zu halten - es sollte vorerst niemand wissen, an welchem Thema ich arbeite, damit mir niemand zuvorkommt. Das ist mir schon einmal passiert - ich hatte ein tolles Thema, habe einem Freund (und Kollegen) begeistert davon erzählt, und noch während ich an den Recherchen saß, war ein Buch zum gleichen Thema auf dem Markt, zusammengestellt von einem Journalisten, der mit meinem (ehemaligen) Freund befreundet war.
Pech gehabt? Dumm gelaufen? Jedenfalls dumm gewesen! Doch immerhin hat mich die Sache vorsichtig gemacht.
Nun, da ich sehr viel Recherchearbeit erledigt habe (und noch weiter grabe), bin ich so weit, dass mir zwar immer noch jemand zuvorkommen könnte, ich aber inzwischen die bessere Qualität abliefern kann: Bei einem biografischen Roman kommt es auf Details an, die dem Leser (und der Leserin) Neues berichten, was bisher nicht bekannt war, oder Zusammenhänge aufzeigt, die andere bisher nicht gesehen haben. Und da habe ich einen Vorsprung. Das bin ich meinen Besuchern, immerhin 23.000 bisher, schon schuldig. Danke für Euer Interesse!

Recherche und Filterstufen
In meinen vorigen Eintrag über die knappe Zeit (hier ein direkter Link) findet ihr ein Foto, das einen Teil meiner Arbeit zeigt - ein paar Bücher (die nur einen minimalen Teil meiner Quellen darstellen), dann rechts einen Stapel großer Bögen, mein „Kernstück“. Hier wird stichpunktartig alles eingetragen, was für meine Arbeit wichtig ist. Ganz oben die Jahreszahlen - es gibt für jedes Lebensjahr meines Helden eine Spalte. In der ersten Zeile seine wichtigsten Lebensereignisse, dann, in verschiedenen Zeilen, Ereignisse in seiner näheren und weiteren Umgebung bis hin zu allgemeinen Zeitvorgängen und historischen Hintergründen: Politik, Kultur, technische Erfindungen usw.
Daraus destilliere ich eine Essenz für mein nächstes Kapitel - stichpunktartig auf einem DIN-A-4-Block, und hieraus werden Vorformulierungen, Überlegungen und sonstige Notizen, die dann in meinem Arbeitstagebuch niedergelegt sind (ganz links im Bild). Erst jetzt wird der PC eingesetzt, und es entsteht eine Rohmanuskript am Bildschirm, das in späteren Durchgängen überarbeitet, ergänzt, korrigiert und schließlich im Verlag lektoriert wird. Bevor das Rohmanuskript an den Lektor geschickt wird, kommen immer noch Details hinzu, werden Abschnitte umgesetzt, erweitert und manchmal auch gestrichen. Durch diese Filterung wird so weit wie möglich verhindert, dass ich, abgsehen von bewussten Zitaten, irgendwelche Formulierungen aus meinen Quellen übernehme. Sie dient aber auch dazu, dass ich mir die Essenz des jeweiligen Ereignisses klar mache.

Ein Portrait
So arbeite ich an mehreren Kapiteln gleichzeitig, wie ein Maler an verschiedenen Stellen seines Portraits malt, je nachdem, welche Farbe er gerade angerührt hat und welchen Pinsel er gerade führt. Manchmal verändert sich das Licht, es fällt ein neuer Schatten oder es gibt ein interessantes neues Highlight, das unbedingt dazugehört, um das Portrait stimmig zu machen. Es wird niemals das gesamte Wesen seines Modells einfangen können, aber es wird ihm nahe kommen und hoffentlich die Charakterzüge herausarbeiten, auf die der Portraitist besonderen Wert legt. Hier sind es Zielstrebigkeit, Ausdauer, Fleiß, aber auch Verzicht auf Dinge, die dem Erreichen des Ziels im Wege sind - all das gepaart mit Menschlichkeit, Empathie und Herzenswärme.

Montag, 26. Januar 2015

Die Zeit ist mal wieder schneller als ich




Oh je! Das neue Jahr ist nun fast vier Wochen alt, und ich sitze noch über Arbeiten, die vor Jahresende längst hätten fertig sein müssen. Die ersten Kapitel einer Biografie, ein Lokalkrimi, ein erotischer Roman, eine Liebesgeschichte - ich habe mich zu sehr aufhalten lassen von Grippe, Stress und Familie. Jetzt mache ich „Stundenpläne“ wie in der Schule - ich will in diesem Jahr alles schaffen, was ich mir vorgenommen habe. Eigentlich! Doch schon im Januar scheint es nicht zu funktionieren! Jeden Tag habe ich mehr arbeitsfremde Dinge im Kalender stehen als meine Arbeit. Das muss sofort aufhören, sonst klappt gar nichts mehr. Jede Sache braucht ihre Zeit - zuerst der Beruf, der begonnene Roman, meine vorgeplante Seitenzahl. Dann alles andere wie Arzttermine, Briefe, eine Flut von Mails - dann erst Blogs, facebook, Telefonate, Buchführung. Aber ich weiß schon - das wird nicht gehen. Wir haben ein Kind, und das braucht Zuwendung.
Sonst holt es sich die Aufmerksamkeit schon selbst. So wie die Kleine im Blogbeitrag von Angeline Bauer:

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Neues Jahr

Liebe Leserinnen und Leser,


Euch allen wünsche ich ein frohes und erfolgreiches neues Jahr!

Montag, 29. Dezember 2014

Auf den Punkt gebracht: Geiz ist peinlich!


Ein Beispiel - zur Leseprobe Bild bitte anklicken
 Habe mich schon lange gewundert, was mit den Verkaufszahlen meiner E-Books los ist. Wochenlang dümpeln sie vor sich hin, dann investiere ich Zeit in die Werbung (neue Titelbilder), der Verkauf geht wieder etwas höher, dann steht er bei fast null. Also - mal eine Gratisaktion? Geht ganz einfach - und zack - schon werden statt zwei Exemplare pro Woche plötzlich 600 in zwei Stunden heruntergeladen. Und dann? Niemand bedankt sich mit einer noch so kurzen Bewertung auf den Verkaufsplattformen, und wenn doch eine Kurzbesprechung kommt, dann eine von jemandem, der (die) das Buch nicht gelesen hat und nicht einmal etwas über den Inhalt sagen kann. Typisch: "Das mieseste Buch, das ich je gelesen habe - wenn ich dafür hätte bezahlen müssen, hätte ich mein Geld zurükverlangt" oder so ähnlich. Mit mindestens drei Rechtschreibfehlern pro Satz, womit meist der Nachweis gelingt, dass der/die Betreffende überhaupt nicht lesen kann. Aber das Ziel ist erreicht - Amazon lässt das Buch hinten von der Kante fallen, es taucht nicht mehr in Empfehlungen auf, das Ranking wird nach unten korrigiert, und so ist es zu einer von Millionen Dateileichen auf Amazon-Computern geworden. Irgendwann wird es dann wahrscheinlich mit drei anderen Titeln remixt und erscheint als neues Buch mit anderem Titel und anderem Autorennamen. Also - Gratisexemplare bitte nur dann runterladen, wenn man sie wirklich lesen und beurteilen will. Die Beurteilung muss ja nicht positiv sein, wenn das Buch es nicht verdient, sondern ehrlich, das heißt, Argumente mit Beispielen belegt.
Für mich persönlich sieht es so aus, dass ich keine Gratisexemplare mehr anbiete. Warum soll ich auf meine Kosten auch noch die Trolle füttern, die mir dann dumm kommen?
Meine persönlichen Erfahrungen mit den Verkaufszahlen und Rängen hat mir nun meine Wiener Kollegin Claudia Toman durch einen gut durchdachten Bericht in ihrem Blog bestätigt (die Formulierung "Geiz ist peinlich" in meiner Überschrift stammt von ihr. Danke Claudia, für die Erlaubnis, sie zu verwenden). Ihr ausführlicher und interessanter Blogbeitrag ist nachzulesen  unter diesem Link!  

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Jambalaya, Crawfish Pie, Filé Gumbo




Autoren und Küche

Die meisten Schriftsteller, die ich kenne, üben eine zweite Kunst aus. Frauen malen, zeichnen, fotografieren oft. Männer malen oder kochen. Kann anders und umgekehrt sein, ist aber oft so. Gemeint ist die Hobby-Ausübung, nicht die notgedrungene Alltags-Durchführung.
Ich koche zum Beispiel gern (aber auch als Hausmann alltagsmäßig). Bevor jemand meckert: Bei uns gilt die Regel, wer kocht, wäscht dann alles auch ab. Wir verfügen schließlich nicht über eine eine Hotel- oder Restaurant-Küche mit den dort üblichen zusätzlichen „Händen“ für Lateraltätigkeiten.

Weihnachtsessen
Gerade überlege ich, was ich Weihnachten kochen soll. Wir sind zu Dritt und haben einen Gast dazu. Da läuft im Youtube auf meiner Playlist plötzlich Hank Williams: Jambalaya! Dieses oft gecoverte Lied über ein simples Picknick an einem der Sumpfseen (Bayous) in Lousiana (z.B. von den Carpenters) gehört zu meinen Ohrwürmern, die ich liebe. Der Sänger will mit seiner Liebsten die typischen Gerichte der Region speisen (wobei ein Unterschied zwischen kreolischer Küche, traditioneller Südstaaten-Küche und Cajún-Küche besteht und die drei im Refrain des Liedes genannten Gerichte jeweils einer davon zuzuordnen sind).
Eins davon werde ich zubereiten, auch wenn die Amerikaner immer dafür sorgen, dass bei ihren Rezepten jeweils eine der wichtigsten Zutaten bei uns nicht erhältlich ist. Diese speziellen Flusskrebs-Schwänze für den Crawfish-Pie, zum Beispiel. Beim Gumbo, das ich favorisiere, fehlt mir das Filé (sprich fillay), was nichts mit dem Hähnchen-Filet zu tun hat, was aber auch in den Eintopf kommt, sondern mit einem Gewürz, das wir hier in Europa nur in der Apotheke als „sassafrass officinalis“ bekommen oder, echt Louisianisch, bei Goldhahn und Sampson (für eine Mahlzeit, vier bis sechs Personen, unter zehn Euro). Die besorgen einem echt sämtliche Gewürze von allen exotischen Ess-Schauplätzen der Welt und organisieren einem noch den passenden Kochkurs dazu, wenn man will. Muss mal gesagt werden!
Also, wenn dieses Pulver, gestern bestellt, noch rechtzeitig bei mir ankommt, gibt es bei uns als Weihnachtsessen Filé Gumbo, ganz klar! Ich werde mir bei youtube eine Playlist von etwa 100 verschiedenen Versionen des berühmten Songs zusammenstellen. Müsste dann für Weihnachten reichen.

Rezepte
Wer mitkochen will, findet meine bevorzugten Rezepte (es gibt natürlich darüber hinaus eine Menge andere) unter diesen Adressen:

Text:
Der Liedtext des Originals von Hank Williams ist zu lesen unter http://www.azlyrics.com/lyrics/hankwilliams/jambalayaonthebayou.html

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Befremdungen - Gastbeitrag von Angeline Bauer



Zum heutigen "Tag der Menschenrechte" sendet mir die Autorin und gute Freundin Angeline Bauer den folgenden Gastbeitrag. Ihr eigener empfehlenswerter Blog ist unter diesem Link zu finden.

Das sagt man so, dass Reisen bildet – und ja, ich finde, es stimmt. Nicht nur, was Geographie oder Geschichtswissen betrifft, auch Herzensbildung spielt da eine große Rolle. Wer oft im Ausland war und fremde Kulturen kennenlernen durfte, wird den Fokus seines Denkens erweitern.
Ich habe einige Länder dieser Welt bereist und einen leisen Einblick in unterschiedliche Kulturen nehmen dürfen. Ich habe viel Gastfreundschaft erlebt, aber auch vieles gesehen, das ich nicht gutheißen kann - dass Frauen nicht zur Schule gehen und sich nicht frei bewegen dürfen, dass Kinder arbeiten müssen zum Beispiel ...
Natürlich, wenn fremde Kulturen aufeinanderstoßen, kann das nicht ohne ‚Befremdungen‘ vor sich gehen! Aber trotz dieser Dinge, die einem das Herz vielleicht verengen könnten, bleiben Menschen Menschen, und solange sie nicht töten, quälen und vergewaltigen, verdienen sie als solche unseren Respekt. Das scheint mir, aber gerade auch jetzt zu Weihnachten sehr wichtig.
Aber wie kam ich noch drauf ...? Ach ja, richtig! Heute habe ich habe beim Warten an der Kasse ein Gespräch belauscht. Sagt der eine (ist Sozialarbeiter im hiesigen Asylheim) zum anderen (hat einen kleinen Malerbetrieb):
„Einer der Asylbewerber aus Afrika und hat jetzt seine Duldung erhalten. Der hatte zu Hause einen kleinen Betrieb im Baugewerbe. Du suchst doch einen Anstreicher, kannst du ihn nicht einstellen?“
Der andere mit hörbarem Entsetzen in der Stimme: „Was denkst du bloß, ich kann doch keinen Neger zu meinen Kunden schicken!“
Das hat mir am Abend noch immer in den Ohren geklingelt, zumal derjenige der diese Antwort gab sehr häufig in die Kirche geht. Und dann fiel mir ein, dass es in genau dieser Kirche bis vor zwei Jahren noch einen Kaplan gab, der aus Sri Lanka kam und sehr dunkelhäutig war, und dass es in eben dieser Kirche auch einen Ministranten gibt, der Afrikaner ist. Tja, und dann ist da im Kreiskrankenhaus noch dieser Arzt, der ebenfalls aus Afrika stammt. Was wäre, wenn oben genannter Malermeister nach einem Unfall auf den OP-Tisch käme und dieser Arzt müsste ihn operieren oder er würde verbluten? Würde er „nein danke“ sagen und lieber sterben, als sich von schwarzen Händen behandeln zu lassen?
Hm ... sollte ich dem Mann mal wieder begegnen, werde ich ihn das fragen.

Die gefährlichste aller Weltanschauungen
ist die Weltanschauung der Leute,
welche die Welt nicht angeschaut haben.
Alexander von Humboldt (1769-1859)

Freitag, 5. Dezember 2014

Meine Autobiografie - ich und mein Ghostwriter

Hin und wieder erreichen mich Fragen wie: „Wenn du biografische Romane schreibst, kannst du nicht mal meine Lebensgeschichte aufschreiben?“ Was soll ich darauf sagen? 
Wohl jeder Mensch hat in seinem Leben viel erlebt, hält sein Leben für einzigartig (was es ja auch ist) und möchte anderen Menschen - seinen Kindern und Enkeln, seinen Firmenangehörigen, oder aber auch völlig Fremden seine Erkenntnisse und Erfahrungen weitergeben oder auch einfach nur schildern, was in seinem Leben schön und interessant war. Warum auch nicht?

Einfach alles aufschreiben?
Am schönsten ist es, wenn man das alles selbst aufschreiben kann. Aber wer kann schon so einfach Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden? Wer weiß, wie die Erlebnisse aufeinander folgen und sich logisch bedingen? Unsere Erinnerung ist nämlich ein Scherzkeks und versucht immer, uns auszutricksen. Und warum ist meine Jugend so kurz gewesen? Klar, da lässt die Erinnerung einfach nach oder gaukelt uns etwas vor. Jedes Gedächtnis sortiert Dinge aus, die es nicht mehr zu brauchen glaubt, und wenn man es eines Tages doch abfordert, wird das Vergessene ersetzt durch eine Erklärung, die logisch erscheint. Manchmal werden intensive Träume so realistisch, dass das Gedächtnis sie als wahre Erinnerung einstuft. Wenn man sich mit seinen Freunden oder Verwandten über bestimmte gemeinsame Erlebnisse unterhält, stellt sich heraus, dass die Erinnerungen völlig unterschiedlich sind.
Natürlich schreibe ich für mich die Dinge so auf, wie ich selbst sie im Gedächtnis habe. Aber wenn es andere lesen sollen, soll es interessant und spannend sein. Formulierungen wie: „Am xx yy 19zz erblickte ich mit dem zwölften Glockenschlag das Licht der Welt und schrie die Hebamme an, weil sie mich gehauen hatte“ sind Gemeinplätze, wurden schon Tausende von Malen geschrieben oder erzählt. Das lässt jeden Leser stöhnend zur Zimmerdecke blicken.
Wie strukturiert man so ein umfangreiches Werk? Wie verhindert man, dass es ausfasert und irgendwo im Nirwana endet. Muss eine Autobiografie mit dem Tod enden - und wie schildere ich den?
Und warum will ich das alles aufschreiben? Habe ich wichtige Erkenntnisse, die andere Menschen weiterbringen? Oder will ich nur schildern, wie ich bei Uromas Tod um meine Erbschaft gebracht wurde? Und wieder - wo fange ich dann an, wo höre ich auf, und was mache ich, damit mich niemand verklagt?

Biografie-Kurse
Wer sich umhört oder im Internet umschaut, stellt fest, dass es unzählige Anleitungen und Kurse gibt, die mehrere Dinge gemeinsam haben: Sie sind vor allem zu umfangreich und zu teuer. Warum soll ich mich ein, zwei oder drei Jahre weiterbilden, zu Kurspreisen zwischen tausend und viertausend Euro, wenn ich nur meine eigenen Erinnerungen aufschreiben will (was nach Beendigung des Kurses ja auch noch geschehen muss - vielleicht habe ich nach all der investierten Zeit gar keine Kraft mehr, jetzt noch selbst ans Werk zu gehen)?

Jemand anderen für mich schreiben lassen
Da kommt der Gedanke, das jemanden für mich tun zu lassen, gerade recht. Warum soll ich so viel Zeit investieren? In der Zeitung wurde gerade ein Schriftsteller erwähnt, der ein Buch über Mozarts Großmutter und ihre Arthritis geschrieben hat. Dem kann ich doch ein viel interessanteres Thema anbieten: Mich! Also rufe ich ihn an.
Und bin verblüfft. Der will Geld! Ist das denn Arbeit? Ich schenke ihm doch was, nämlich meine Erinnerungen! Der könnte Millionär werden, wenn wir uns den Erlös teilen! Bezahlen soll ich? Na, dann eben nicht. Dann mache ich das selbst: „Am xx yy 19zz erblickte ich mit dem zwölften Glockenschlag das Licht der Welt und schrie die Hebamme an, weil sie mich gehauen hatte…“


Das sagt der Autor
(Jetzt kommt eine andere Perspektive, nämlich die des Autors)
Da ruft mich jemand an. Ein Schweizer, der von seinem Bruder um den ertragreichen Bauernhof betrogen wurde. Ein Schwarzwälder, der einer Luzifer-Sekte angehörte und entkommen ist. Eine Esoterikerin, die den Aufruhr im siebten Chakra zu besiegen weiß. Ein Manager, der unglaublich schnell zum Multimillionär geworden ist und jetzt, kurz vor Ende seiner siebenjährigen Haftstrafe, mit seinem Wissen dazu beitragen möchte, dass auch ich zum Multimillionär werde.
Ich soll einfach ihre Lebensgeschichte aufschreiben, sagen diese Anrufer. Das wird ein Bestseller! Honorar oder gar einen Vorschuss können sie nicht geben. Immerhin bekomme ich ja die Hälfte des Reinerlöses! Ehrlich gesagt, darauf kann ich lange warten. Einmal hat mich ein Typ über Monate belästigt, der nicht einmal seine Identität preisgeben wollte, weder Namen noch Wohnort, und ein Buch machen wollte, dessen Druckkosten ich vorschießen sollte. Ohne dass ich wusste, wer das war. Irgendwann später wollte er sich mit mir am Frankfurter Hauptbahnhof treffen und mir dann einen Anteil von zehntausend Mark (!) vom Gewinn übergeben.
Ich bin eigentlich gern bereit, für Leute, die das Bedürfnis haben, die Lebensgeschichte aufzuschreiben und meine Erfahrung zur Verfügung zu stellen. Aber so geht das nicht.
Ich leiste richtige Arbeit, lasse dafür manch andere Arbeit, die meine Familie und mich ernährt, liegen, und ich muss den Einkommensverlust auffangen. Manchmal riskiere ich den Verlust eines Auftrages. Wie für jeden, der selbstständig arbeitet, fallen für mich Kosten an: Steuern. Krankenkasse. Raummiete. Versicherung. Kopier- und sonstige Bürokosten. Und leben muss ich mit meiner Familie in der Zeit, die ich auf diese Aufgabe verwende, auch. Wir beanspruchen nicht einmal Luxus.
Wenn ich einen Stundenlohn von acht Euro (für einen Akademiker herzlich wenig) zugrunde lege, kommt dabei ein Mindestbedarf von 36 Euro heraus. Wenn ich dann eine Querrechnung mit Aufträgen, die mir dafür entgehen, zugrunde lege, brauche ich allerdings 40 Euro pro Stunde, um keinen Verlust zu erleiden. Gewinn habe ich dann allerdings auch nicht.


Was zahlt man für einen Ghostwriter?
Mit welchen Kosten muss man rechnen?
Wenn ich für Sie Ihre Lebens- oder Firmengeschichte „aufschreiben“ soll (das ist immer deutlich mehr als bloßes Aufschreiben!), müssen Sie mit folgenden Kosten rechnen:
Vorbereitung: Bevor wir anfangen, bekommen Sie Hinweise zum Vorgehen, Tipps und schriftliche Materialien zur Erinnerungsarbeit, und es gibt eine ganze Reihe von informativen Telefonaten oder E-Mails, bevor es überhaupt losgeht. Pauschal: 150,00 Euro
Interviews: Es sollten mindestens drei Interviews mit je drei Stunden Gesprächsaufzeichnung auf „Band“ stattfinden. Die eigentlichen Gespräche sind wesentlich länger und dehnen sich oft bis in den späte Abend aus - und länger, da es oft in persönliche Dinge geht. Kosten: 150,- Euro pro Termin, plus Anfahrt (preiswertestes Bahnticket, keine Berechnung der Anfahrtszeit, falls unter 400 km).
Schreibzeit: je nach Umfang - pro Stunde die genannten 40 Euro. Sie bekommen ein fertiges, durchkorrigiertes und ablieferbares Manuskript - gegen einen geringen Aufpreis bin ich Ihnen, falls gewünscht, bei der Veröffentlichung behilflich und stelle Ihnen auch da meine Erfahrung zur Verfügung.
Anfragen bitte unter dwalter300@t-online.de .

Donnerstag, 27. November 2014

Was mache ich beim Bloggen falsch?

Ein Herbstfoto aus dem Hirblinger Hof, wo ich im Januar lese
Das habe ich mich oft bei Blogs gefragt, die überhaupt nicht laufen. Dieser Blog hier, den Ihr jetzt lest, hat hingegen seine Eigendynamik entwickelt, und ich bekomme täglich mehr Leser, obwohl ich sehr viel über mich selbst und meine Arbeit schreibe. Aber ich habe auch etwas zu bieten - z.B. hin und wieder einen guten Link und Verweise auf interessante Inhalte von anderen. Die Eigenwebung beschränke ich auf ein Minimum. Diese Richtung zeigt mir genau den richtigen Weg, und nun habe ich sogar von einem erfolgreichen Marketing-Spezialisten Rückendeckung bekommen: Vladislav Melnik bestätigt mich gleich in zweien seiner Blogartikel:
LINK 1
und
LINK 2
Und noch etwas habe ich geschafft: Ich habe endlich herausgefunden, warum niemand bei mir Kommentare abgeben kann - es ist einfach ein falsch gesetzter Klick! Schaut bitte mal hier oben rechts unter "Hinweise zu Kommentaren" nach (zurück am besten über die Zeile "Startseite").
Und nun freue ich mich auf Eure Kommentare!