Didis Bücherturm

Sonntag, 10. November 2013

Multilevel Marketing - Mord und Totschlag inklusive!

Ich muss zugeben, ich hatte meine Vorurteile. Einerseits gegen „MLM“, also Multilevel Marketing, generell. Ich dachte an Amway (und wie mir verschiedene Leute damit auf den Keks gegangen sind), Tupperware, an gescheiterte Existenzen, angetrunkene Vorwerk- und Versicherungsvertreter und so weiter. Und dann traf ich auf diesen Krimi, „Tödliche Sideline“ von Christoph Kowalczyk. Mit meinen Vorurteilen ging ich daran, den Roman zu lesen, und sie lösten sich rasch auf wie die Vitaminbrause im Wasserglas (wobei, wie ich gerade erfuhr, "Tupperware" kein MLM ist, sondern "Direktvertrieb", genau wie Vorwerk und andere Haustürgeschäfte - MLM ist Vertrieb von Produkten auf verschiedenen Verkaufsebenen, aber das wird im Roman dann besser erklärt, als ich es hier kann). 
Die Handlung, und darum geht es mir hier - ein echter Krimi, wie sich’s gehört. Stellt Euch vor, Ihr winkt Euren Freunden im Yachthafen zu, und dann fliegt vor Euren Augen ihr Boot in die Luft. Du glaubst, sie sind tot, doch dann mehren sich die Anzeichen, dass sie noch da sind und sich aus rätselhaften Gründen tot stellen wie ein Lurch, der bei Gefahr den Schwanz abwirft, um den Rest seines Lebens zu retten. Hier, im Roman, tauchen die Verschollenen wieder auf und sind in einer desolaten Lage. Hilfe dringend benötigt - doch wozu hat man Freunde? Und wenn die alle aus einer bestimmten Szene stammen und dort ihre Kontakte haben, ist das natürlich sehr hilfreich.
Alle wichtigen Hauptpersonen sind als Vertriebspartner im Multilevel Marketing tätig, sie „leben“ dies als ihren Daseinsstil, und so spielt der Roman in dieser Umgebung. Da gibt es Freundschaften, Verlässlichkeit, gegenseitiges Aufrichten - fast ein wenig mehr als im wirklichen Leben, aber gerade ideal für den Fortgang der Handlung. Manchmal bekommt man Lust, seinen Job hinzuwerfen und sich dieser Vertriebsbranche anzuschließen.
Über das Ende verrate ich hier nichts. Ich bin in dieser Hinsicht traumatisiert. In den frühen Sechzigern gab es in unserer Familie keinen Fernseher, und wir sind zu Nachbarn gegangen, als der Fortsetzungskrimi „Das Halstuch“ lief. Die ganze Nation sah diesen Mehrteiler, die Straßen waren leer. Jeder spekulierte, wer der Mörder ist. Die Spannung war ungeheuer, sogar öffentlich, bis die Bild-Zeitung in einer Schlagzeile petzte: Dieter Borsche ist der Mörder. Da war plötzlich die Luft raus.
Das will ich Euch ersparen. Lest diesen Roman selbst. Lohnt sich. Der Autor ist kein Literat, aber immerhin ein Insider der Szene. Und über diese könnt Ihr, so ganz nebenbei, auch Einiges lernen.
Der Roman macht den Eindruck, sorgfältig lektoriert und korrigiert worden zu sein - heute leider eine Seltenheit.
Und wenn Ihr im Internet Werbung für diesen ohnehin schon recht bekannten E-Book-Krimi auf Türkisch oder Ungarisch findet, müsst Ihr nicht diesen Roman in exotischen Sprachen lesen. Das liegt nur daran, dass der Autor tatsächlich viel von Marketing versteht. Seinem Buch und ihm selbst wünsche ich viel Erfolg!

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